Feier zur Klostergründung der Augustinerinnen in Merxhausen

Bad Emstal. Der Ritter und Totschläger Hermannus von Godenspurg diskutiert aufgebracht mit der Klostervorsteherin und Schwester des Erschlagenen. Es geht um die Buße für seine Straftat. Nur mit Mühe kann ihn sein Freund Johannes von Helfenberck zurückhalten.

So oder so ähnlich hat sich diese Szene tatsächlich 1273 abgespielt. Denn die Theateraufführung des Vereins Klosterspiele Merxhauen basiert auf realen Ereignissen aus der Geschichte des Augustiner-Klosters. Auf dem Vitosgelände wurde dessen Gründung vor 800 Jahren gefeiert.

„Die Szenen wurden anhand von zwei Urkunden verfasst“, sagt Regisseurin und Vereinsmitglied Gisela Finke. „Die Personen hat es tatsächlich gegeben.“ Über die Beweggründe aber kann die Theatergruppe nur spekulieren. Und so blieb ihnen auch nichts anderes übrig, als die Geschichte anhand der Fakten weiterzuspinnen.

500 Besucher fanden den Weg in die alten Klostermauern und folgten den Spuren der Klostergeschichte - sei es bei der Theateraufführung, der Kloster- und Kirchenführung oder bei einem Konzert in der Klosterkirche.

„Das Klostergebäude ist offen für alle“, sagt Gemeindepfarrerin Dr. Gisela Natt. „Es ist ein gemeinsamer Punkt, an dem sich Menschen treffen.“ Auf dem Boden des ehemaligen Klosters werden heute über 1000 Mitarbeiter beschäftigt. „Auch die Heilkunst braucht manchmal den geistlichen Raum als Partner an seiner Seite“, sagt die Gemeindepfarrerin. Dies sei unterstützend für die Therapie.

Geschichtsträchtig sind die Mauern des Klosters. Intensiv und lange hat sich Kirchenrätin Waltraud Regina Schmidt mit der Geschichte des Klosters auseinandergesetzt. Ihre Erkenntnisse und Funde hat sie in einem Buch zusammengefasst. „Das Besondere an den Klosterfrauen war, dass sie selbstbestimmt lebten“, sagt die Autorin. „Ihre Grundsätze waren Keuschheit, Gehorsam und Besitzlosigkeit“. Insbesondere der Grundsatz des Teilens hat die Kirchenrätin während ihrer Recherche überrascht. „Auch ihre Memorialkultur war beeindruckend.“

Von Beginn an war der Konvent als Frauenkloster konzipiert. Auffällig ist die schmuck- und turmlose Kirche des Klosters. „Etwas Besonderes ist auch, dass die Bruderschaft von Geistlichen und Laien aus eigenen finanziellen Mitteln das Kloster gegründet hat“, sagt Waltraud Regina Schmidt.

Von 1213 bis 1489 bestand das Augustinerinnenkloster in Merxhausen. Agrarkrise, der Mangel an Arbeitskräften und Umstrukturierung der Wirtschaft machten ein Aufrechterhalten des Frauenklosters unmöglich. Bis 1527 war es ein Männerkloster. Später wurde es im Zuge der Reformation in Hessen geschlossen. Landgraf Philipp der Großmütige wandelte 1533 es zu Spitälern für die arme Landbevölkerung um.

Von Johanna Uminski

Quelle: HNA

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