Spurensuche auf dem Burgberg: Archäologie-Studenten suchen verborgene Mauer

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Homberg. Stein, Schutt und Dreck werden Schicht für Schicht auf der Hohenburg abgetragen. Sechs Studenten der Universität Bamberg sind dort seit dieser Woche am Werk. Mit Messgeräten und Schippen suchen sie nach Überresten einer alten Mauer.

Hintergrund der Grabungen sind Grundrisszeichnungen des Topographen Wilhelm Dilich und ein Kupferstich von Johann-Daniel Homagius aus dem Jahr 1648, die eine Vorburg mit einer Mauer im Zick-Zack-Muster zeigen. Landgraf Moritz soll sie vor dem 30-jährigen Krieg - zwischen 1610 bis 1620 - als Schutz errichtet haben lassen.

Sofort begeistert waren die Mitglieder der Burgberggemeinde, als sie von der Idee der Lehrgrabungen erfuhren. „Sie bieten eine einmalige Gelegenheit, mehr über die Hohenburg zu erfahren“, sagt Alfred Uloth, Vorsitzender der Burgberggemeinde. „Ich beschäftige mich seit über 30 Jahren mit der Burg und entdecke immer wieder Neues.“ Vier Wochen lang bleibt Zeit dafür, denn so lange werden die Studenten dem Burgberg auf den Grund gehen. Derzeit sind sie an vier Ausgrabungsstellen am Werk.

Sollte die Mauer tatsächlich gefunden werden, werde man sie anschließend wieder mit Erde überhäufen. „Wir vermuten sie in bis zu vier Metern unter der Erde und können deshalb die Ausgrabungsstelle nicht offen lassen“, erklärt Uloth. Das sei allein aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Die Burgberggemeinde werde die Fundstelle dann mit einer Deckschicht zupflastern und für Besucher kenntlich machen, wo die Mauer verläuft, betont Uloth.

„Wir erhoffen uns neue Erkenntnisse über die Anlage und wollen das Gesamtbild vervollständigen“, sagt der Leiter der Ausgrabungen, Marius Kröner. „Die Studenten sind aus unterschiedlichen Semestern und lernen so, wie es bei einer Grabung zugeht.“ Somit verbinde man das Praktische mit dem Nützlichen.

Einen ersten Erfolg habe man bereits erzielt: „Nahe der Gaststätte haben wir einen Stein entdeckt, der Bestandteil der alten Mauer gewesen sein könnte.“ Dieser sei fest in die Grundmauer der Vorburg eingearbeitet. „Vermutlich war er schon immer da“, so Uloth. Die Entdeckungsreise in die Vergangenheit der Burganlage sei spannend, sagt er.

Am Fuße des Schlossbergs könnten sich zudem Reste von einem geheimen Zugang zur Hohenburg befinden. „Dann hätten die alten Homberger Recht, die immer sagten, dass es dort einen Geheimgang gab“, sagt Uloth. Die Studenten werden kleinere Funde und Artefakte einsammeln. „Wir werden die Funde dann archivieren, dokumentieren. Sie bleiben im Museum“, sagt Uloth. Nur die verborgene Mauer bleibt im Boden.

Die einzelnen Schritte werden von den Studenten akribisch dokumentiert. „Hier wird alles fotografiert, eingezeichnet und gemessen“, sagt Marius Kröner. Dozent Dr. Patrick Cassity vom Archäologischen Institut der Hochschule hilft den Studenten dabei.

Noch stehen die Grabungen am Anfang. Die Archäologen gehen mit Feingefühl vor. Doch bis auf den großen Stein habe man bisher noch nicht viel gefunden. „Wir befinden uns noch in der Neuzeit. Bis jetzt haben wir Cola-Dosen und Co. gefunden“, sagt Uloth und lacht. Doch Hoffnung ist groß, unter Stein, Schutt und Dreck noch anderes zu finden.

Von Marie-Therese Gewert und Maja Yüce

Quelle: HNA

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