Geldstrafe und Verwarnung wegen Körperverletzung

Staatsanwältin: „So beginnt ein Krieg“

Fritzlar/Kassel. Wegen gefährlicher Körperverletzung hat das Amtsgericht Fritzlar gegen einen 35 Jahre alten Mann aus Kassel eine Verwarnung mit Strafvorbehalt ausgesprochen.

 Er muss 500 Euro an die Jugendfeuerwehr Fritzlar zahlen, entschied Richterin Corinna Eichler. Die Entscheidung ist sinngemäß eine Geldstrafe auf Bewährung. Die Bewährungszeit beträgt zwei Jahre. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft hatte eine Geldstrafe von 2000 Euro beantragt.

„Es war ne Scheiß Aktion”, sagte der ohne Verteidiger erschienene Angeklagte am Ende der viereinhalbstündigen Verhandlung. Sie war das gerichtliche Nachspiel von zwei tätlichen Auseinandersetzungen am 5. Mai vorigen Jahres bei Schlierbach und Allendorf. Der 35-jährige Schichtarbeiter war angeklagt, weil er einen 28-jährigen Busfahrer aus Schwalmstadt und dessen Vater (50) geschlagen haben soll. Weil er sich über das Verhalten der beiden im Straßenverkehr aufgeregt hatte, hatte er das andere Auto überholt und zum Anhalten gezwungen. Dann hat er laut Anklage durch das geöffnete Fenster den 28-Jährigen mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Kurze Zeit später soll er erneut zugeschlagen haben. Vater und Sohn erlitten mehrere Prellungen, der Vater zudem eine Fingerfraktur.

Schlag durch das Fenster

Beide bezeichneten den Beschuldigten als brutal. „Ich war nach dem Faustschlag durch das Fenster fast k.o. und geschockt”, sagte der Sohn. Dann sei sein Vater geschlagen worden und auf den Boden gestürzt. Der Vater berichtete, sein Sohn sei nach den Schlägen „kurz vor der Bewusstlosigkeit” gewesen.

Die Auseinandersetzung sorgte laut Beweisaufnahme für ein großes Aufsehen. Viele hielten mit ihren Autos an. Ein 30-Jähriger sagte, er sei dazwischen gegangen und habe die Streitenden „auseinander gebracht”. Vater und Sohn hätten „richtig böse gestichelt”. Nach Angaben von zwei Zeugen ist die Faust des Angeklagten durch das Fenster „gegangen”. Der Beschuldigte beteuerte, nicht zugeschlagen zu haben: „Ich habe nur versucht, mich zu verteidigen, ich wollte keinen Stress.” Zur Darstellung mit den Fäusten durch das Fenster sagte er, er habe nur die Autotür zuhalten und damit den Fahrer abwehren wollen. Das aber nahm ihm die Staatsanwältin nicht ab. „So beginnt ein Krieg, wenn auch im Kleinen”, kommentierte sie die Vorfälle nach der Vernehmung von sieben Zeugen. Sie habe versucht, dem Beschuldigten eine Brücke zu bauen. Damit meinte sie die mögliche Einstellung des Verfahrens unter Auflagen – wenn der Angeklagte gestanden hätte. Mit der Körperverletzung sei der Angeklagte „über das Ziel hinaus geschossen”.

Unabhängig von diesem Verfahren hat der 35-Jährige die beiden Kontrahenten wegen Körperverletzung angezeigt. Dieses Verfahren war mit der Begründung vorläufig eingestellt worden, den Ausgang dieser Verhandlung abzuwarten. Es gibt möglicherweise eine Neuauflage. (m.s.)

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare