Abgespeckter Winterdienst spart dem Bauhof Zeit und Salz – das sorgt für Ärger bei Fußgängern

Spangenberg: Stadt streut viele Wege nicht

Alles dicht: HNA-Zeitungszusteller Norbert Vollweiler traute seinen Augen nicht, als er den gewohnten Fußweg über die Brücke gehen wollte und dieser vom städtischen Bauamt verriegelt war. Foto: Schorn

Spangenberg. 14 Fußwege im Gebiet der Stadt Spangenberg werden in diesem Winter nicht mehr gestreut. Das soll die Arbeiter des städtischen Bauhofes entlasten und ihnen so mehr Zeit für das Räumen der Straßen gewähren. Zugleich haushaltet die Stadt mit dem Streusalz.

Sie setzt damit die Erfahrungen des vergangenen, sehr strengen Winters um. Schon damals waren einige wenige Fußwege nicht mehr durch den Bauhof mit Salz frei gehalten worden. Jetzt steht das Schild „Dieser Weg wird im Winter nicht geräumt und gestreut“ an erheblich mehr Passagen in der Kernstadt und in Elbersdorf.

Dort rieb sich HNA-Zusteller Norbert Vollweiler am Donnerstag auf seiner morgendlichen Tour die Augen.

Denn auf der Essebrücke gab es für ihn kein Durchkommen. Ein Bauzaun versperrte den Durchgang zu zwei Häusern. „Sowas habe ich noch nicht erlebt“, ärgerte sich der 60-Jährige.

Die Verbindung zwischen der Kernstadt und dem größten Stadtteil wird auch von Kindern auf dem Weg in die Burgsitzschule genutzt. „In den letzten 50 Jahren war das immer offen“, erinnert sich Vollweiler. Ein Hinweis auf den eingeschränkten Winterdienst habe schon immer da gestanden, nicht aber eine Absperrung.

Da habe der Bauhof wohl übers Ziel hinaus geschossen, sagte auf HNA-Anfrage Bürgermeister Peter Tigges. Die Absperrung des Weges solle bleiben, aber so, dass Fußgänger problemlos passieren könnten. Allerdings hält sich die Stadt Spangenberg auf diese Weise den Rücken frei gegen mögliche Schadenersatzklagen. Denn die Schilder allein haben keine rechtskräftige Bedeutung. Das hat Friedhelm Koch, Mitarbeiter des Bauamtes, beim Hessischen Städte- und Gemeindebund in Erfahrung gebracht.

„Wenn jemand zu Schaden kommt, kann er trotzdem Ansprüche geltend machen.“ Doch da die Stadt die Verkehrssicherungspflicht habe, müsse sie sich „auf die für uns wichtigen Straßen konzentrieren.“ Und sie muss mit ihrem Salz haushalten.

26 Tonnen sind eingelagert, für Sackware liegt der nächste Liefertermin bereits jetzt bei Ende Januar, beliefert würden zunächst die Straßen- und Autobahnmeistereien, „die Städte kommen im zweiten Rang.“ Aber in Spangenberg gibt es Straßen mit bis zu 15 Prozent Gefälle. Acht Mal 26 Tonnen Salz verstreute die Stadt im vergangenen Jahr. Koch: „Gebraucht hätten wir eigentlich das Dreifache.“

Quelle: HNA

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