Hans-Joachim Bauer will mit seiner Performance auf Missstände aufmerksam machen

Stadt ist untergetaucht

Homberg schwimmt: Der Aktionskünstler Hans-Joachim Bauer gibt den Tauchern letzte Anweisungen, wie sie seine Figur aufbauen sollen. Aus zehn Betonteilen besteht das Werk. (oben) Fotos: Schittelkopp

Homberg. Vorsichtig gibt der Aktionskünstler Hans-Joachim Bauer dem Taucher eine Löwenfigur aus Stein in Hand. Dieser taucht damit ab auf den Grund des Beckens im Freibad am Erlenborn.

Seine jüngste Aktion veranstaltete der Künstler im Homberger Freibad, weil das für ihn ein sehr persönlicher Ort ist. „Hier habe ich schwimmen gelernt und war als Kind mit meiner Großmutter die Wäsche bleichen“, erzählt er. Deshalb habe er auch das Freibad für sein Kunstprojekt ausgewählt.

„Die Stadt Homberg ist am Schwimmen.“

Hans-Joachim Bauer

„Homberg schwimmt“ heißt die Aktion. Dabei wurde eine Figur, die aus zehn Betonteilen besteht, im Schwimmbad versenkt. „Die Figur ist eine Frau“, erklärt Bauer dem kleinen Kreis der Zuschauer.

Zudem sei sie eine Schwimmerin. „Inspiriert dazu hat mich eine Dame, die hier immer mit Flossen schwimmt“, sagt er. Die Figur besteht aus zwei Betonfüßen, zwei Löwen, einer Schnecke, einer Betonplatte, die eine Vagina darstellt, zwei Kugel und einem Betonzylinder als Kopf.

Auf diesen Zylinder steckt der Künstler noch eine Schwimmbrille. Einige Teile der Figur hatte er vorher schon einmal in anderen Kunstwerken verwendet. So benutzte er einen der Füße aus Beton bereits für ein Werk in Island.

Das Kunstwerk ist in zwei Hälften geteilt und soll die zwei historischen Epochen der Stadt Homberg darstellen. Das Goldene Zeitalter vor dem Dreißigjährigen Krieg ist durch die Löwen, die sich auch im Stadtwappen wiederfinden, dargestellt. Dazu gehört der große Betonfuß. Damals konnte Homberg es sich leisten, auf großem Fuße zu leben.

Die andere Hälfte schmückt die Schnecke als Symbol des sich nur langsam vollziehendes Wandels in der Stadt. Heute lebt die Stadt auch auf kleinerem Betonfuß.

Eine weitere Kritik an der heutigen Zeit verbarg der Künstler auch im Namen der Aktion. „Die Stadt Homberg ist am Schwimmen. Dies auch im übertragenen Sinn“, so Hans-Joachim Bauer. Er möchte damit auf Missstände der Stadtpolitik Hombergs aufmerksam machen.

Faszinierte Zuschauer

Ein Kameramann des Hessischen Rundfunks befestigte eine Unterwasserkamera auf der Schnecke, um so im Wasser drehen zu können. Die Besucher waren beeindruckt von der Aktion. Nach und nach legten die zwei Taucher die Teile des Kunstwerkes auf dem Boden ab. Gespannt warteten die Zuschauer auf das fertige Werk. Nachdem die Taucher alle Teile versenkt hatten, gab ihnen der Künstler noch letzte Korrekturen. Die Wogen des Wassers glätteten sich, und die Zuschauer bekamen endlich die Gelegenheit, die Frauenfigur genau zu betrachten.

Nach einer Stunde war die Aktion im Freibad vorbei. Der Künstler war sehr zufrieden mit seiner Aktion, die Zuschauer klatschten Beifall. Die Taucher holten die schwimmende Frau aus Stein wieder an Land.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

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