Ausstellung bis Ostern 

Stadtarchiv Felsberg präsentiert Geschichte der Fröhlich Bau AG 

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Mit Fröhlich-Fahne und Helmen: Die Arbeitsgruppe Fröhlich hält die Geschichte der Fröhlich Bau AG in Ehren. Von links Klaus Winter, Heinz Körner, Kornelia Dittmar und Rolf Fröhlich. 

Gensungen. Ein wichtiges Kapitel Gensunger Dorf-, Felsberger Stadt- und nordhessischer Industriegeschichte gerät nicht in Vergessenheit. Ein Team des Stadtarchivs Felsberg hat die Entwicklung der früheren Fröhlich Bau AG aufgearbeitet. 

Mit interessanten Dokumenten und HNA-Artikeln präsentiert das Stadtarchiv Felsberg die Geschichte der früheren Fröhlich Bau AG. Viele ehemalige Mitarbeiter sind heute noch stolz auf „ihre“ Firma Fröhlich, die von 1895 bis 1988 bestand. Die Dokumente werden bis Ostern gezeigt.

Das 1895 von Maurermeister Johannes Fröhlich mit acht Mann gegründete Unternehmen war 1997 in Konkurs gegangen. Im 100. Jubiläumsjahr war die Zahl der Mitarbeiter mit 1500, später sogar mit 1700 angegeben worden. Letztes Großprojekt war der Bau des Bundespräsidialamtes in Berlin. Auch an der Tiefgarage des Bundeskanzleramtes war Fröhlich noch beteiligt.

Ausstellung im Stadtarchiv noch bis Ostern

Diplom-Ingenieur Jörg Fröhlich-Gildhoff, Sohn des letzten Mehrheitsgesellschafters Joachim Fröhlich-Gildhoff, hatte dem Stadtarchiv interessantes Material überlassen. Bis Ostern ist die Dokumentation in den Räumen des Stadtarchivs noch zu sehen.

„Eine tolle und detailreiche Präsentation“ – so kommentierte Bürgermeister Steinmetz die Arbeit der Arbeitsgruppe Fröhlich. Er dankte Jörg Fröhlich-Gildhoff, der heute auf dem Gelände des ehemaligen Hauptsitzes einen Unternehmenspark betreibt, für die Offenheit. Gildhoff zur Präsentation: „Sehr gut aufgearbeitet.“

Rolf Fröhlich und Heinz Körner stellten die Familien und das Unternehmen vor. Die ersten in Gensungen angesiedelten Fröhlichs bewohnten ab 1785 das Haus Kirchstraße 4. Vor dem letzten Weltkrieg gab es in Gensungen 19 Fröhlich-Familien, von denen sieben Handwerksbetriebe hatten. Die Vorfahren des Firmengründers waren Schäfer.

Der Name Joachim Fröhlich-Gildhoff steht für jahrzehntelange erfolgreiche Entwicklung. „Der immer lächelnde Jochen“, wie ihn viele liebevoll nannten, genoss hohes Ansehen bei der Belegschaft. Er hatte 1947 als Stift angefangen und unterstützte viele Vereine und Projekte in der Region.

Standortvorteile genutzt

Nach dem Fall der Mauer nutzte Fröhlich die Standortvorteile gegenüber Branchenriesen. Innerhalb weniger Jahre prangte das orange-weiße Fröhlich-Logo an vielen Kränen in den neuen Bundesländern und in Berlin. Durch den Kauf der Arnstadt Bau Union wurden alte Russland-Kontakte neu aufgefrischt, der Sprung ins Osteuropa-Geschäft gelang. 1994 erregte die Nachricht Aufsehen, Fröhlich baue am Roten Platz in Moskau eine Privatbank für 30 Millionen D-Mark, habe weitere große Aufträge in Russland.

„Alles, was zwischen Felsberg und Moskau liegt, ist unser natürlicher Markt“, hatte der damalige Vorstandsvorsitzende Dietmar Schroer 1995 aus Anlass des 100. Firmenjubiläums gesagt. Schroer wurde 1997 im Zusammenhang mit der finanziellen Schieflage entlassen und später zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Schroer hätte laut dem damaligen Vorsitzenden Richters eine Haftstrafe gedroht, wenn sich der Hauptbelastungszeuge nicht ins Ausland abgesetzt hätte.

Die Bauleistung gab das Unternehmen 1992 mit 190 und 1994 mit 270 Millionen D-Mark an. Für die Jahrhundertwende war eine halbe Milliarde D-Mark angepeilt.

1994 stand ein Jahresüberschuss von 4,9 Millionen D-Mark in den Bilanzen. Die Pleite war mit Millionen-Verlusten verbunden. Viele Mitarbeiter aus der Region, teils Jahrzehnte dabei, wurden arbeitslos.

Die Fröhlich-Chronik

  • 1895: Johannes Fröhlich (1851 – 1921) gründet das Baugeschäft mit acht Maurern. 
  • 1939: Der Betrieb zählt 60 Mitarbeiter. 
  • 1955: Gründung einer OHG zu gleichen Teilen durch Baumeister Johannes Fröhlich jun. (1888 – 1965) und Diplom-Ingenieur Joachim Fröhlich-Gildhoff (1928 – 2015).
  • 1959: Gildhoff wird von Fröhlich adoptiert. Dessen einziger Sohn Hans (1922 - 1945) war in russischer Kriegsgefangenschaft verstorben. 
  • 1965: Joachim Fröhlich-Gildhoff – am 1. Juli 1947 als Lehrling eingetreten – führt das Unternehmen weiter. 
  • 1970: Massiv-Fertighäuser gehen auf den Markt.
  • 1980: 750 Mitarbeiter
  • 1982: Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. 
  • 1990: Einführung der Fröhlich-Aktie an der Frankfurter Börse. 
  • 1991: Übernahme der Thüringer Sanierungs- und Denkmalpflege GmbH in Erfurt. 
  • 1993: Kauf des ehemaligen Volkseigenen Betriebs Arnstadt Bau Union GmbH. 
  • 1995: Übernahme der Bohrfirma H. Anger’s Söhne in Hessisch Lichtenau. Die Mitarbeiterzahl beträgt 1500, später bundesweit 1700. 
  • 1997: Anfang Januar stellt das Unternehmen Konkursantrag.

Quelle: HNA

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