Stadtarchiv Felsberg zeigt alte Fotos - Sonderausstellung über jüdische Gemeinde

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Gut vorbereitet: Zum Tag der offenen Tür im Stadtarchiv gehört eine Ausstellung über jüdisches Leben in Felsberg und den Stadtteilen bis 1939. Auf dem Foto von links Uwe Lengen, der bei der Bildauswahl geholfen hat, Cornelia Dittmar und Stadtrat Hans Poth.

Felsberg. Bei einem Tag der offenen Tür am Sonntag, 5. Februar, von 14 bis 17 Uhr, will das Felsberger Stadtarchiv (Poststraße 6 in Gensungen) wieder einmal den Blick auf alte Fotos aus Felsberg und den Stadtteilen lenken.

Hatte es im vergangenen Jahr eine Sonderausstellung über die Sudetendeutschen gegeben, so steht diesmal die jüdische Gemeinde bis 1939 im Blickpunkt. Bis dahin gab es über Jahrhunderte hinweg zahlreiche jüdische Familien: in Felsberg, in Gensungen, in den Dörfern ringsum. Allein das kleine Altenburg zählte 1858 vier Familien mit 30 Personen mosaischen Gaubens.

In Felsberg gibt es noch heute vier Zeugnisse jüdischen Lebens: den Friedhof in der Annastraße, die Schule in der Obergasse, die vor Jahren erst zufällig wieder entdeckte Mikwe (rituelles Reinigungsbad für Frauen) in der Straße An der Stadtmauer und die Synagoge in der Ritterstraße, heute eine Gaststätte.

In welchen Häusern einst Juden lebten, hat der Felsberger Michael Steinmetz auf einem Plan gekennzeichnet. Darauf ist insbesondere für Felsberg deutlich zu erkennen, dass die meisten Häuser in der Nähe der Synagoge stehen. Das hat seinen Grund, erklärt Uwe Lengen: Am Sabbat dürfen orthodoxe Juden nur 400 Schritte in eine Richtung gehen, „und Felsberg hatte eine orthodoxe Gemeinde“.

Uwe Lengen als profunder Kenner der jüdischen Religion, hat bei der Bilder-Auswahl für die Sonderausstellung geholfen. So weiß er denn auch, dass noch heute so manches, einst von Juden bewohnte Haus von außen zu erkennen ist. Ist der rechte Balken neben der Haustür erhalten, so sind dort in Augenhöhe mitunter zwei kleine Löcher von Nägeln oder Schrauben zu sehen. Dort war die Mesusah befestigt, eine Schriftkapsel.

Fotos von Häusern, Fotos von Menschen und viele Bilder von den Grabsteinen des jüdischen Friedhofes sind in der Ausstellung zu sehen. Fragen der Ausstellungsbesucher wird Michael Steinmetz beantworten.

Die Grabsteine geben noch heute Zeugnis über Juden, die dort zwischen 1866 und 1939 beerdigt wurden. Auf der einen Seite stehen die Namen, die Geburts- und Sterbedaten, auf der anderen in hebräischer Schrift Texte, die den Verstorbenen kennzeichnen. Bei deren Übersetzung haben Judith Efronie, die im November aus Israel kam und Felsberg besuchte, sowie Deborah Tal-Rüttger, Vorstandsmitglied der liberalen jüdischen Gemeinde Ewet we Shalom, den Mitgliedern des Stadtarchivs geholfen, erklärte Kornelia Dittmar. Das Problem dabei: Viele sind auf den verwitterten Sandsteinen kaum noch zu entziffern.

Quelle: HNA

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