Auf den Spuren Leopolds in der Ziegenhainer Festung

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Stadtführung auf den Spuren Leopolds in der Ziegenhainer Wasserfestung.

Ziegenhain. Auf den Spuren des Baumeisters Leopold, der Landgrafen und des Reformators Martin Bucer wandelten am Freitagnachmittag 20 Gäste bei einer besonderen Stadtführung durch die Ziegenhainer Festung: Die Schwälmer Allgemeine hatte die exklusiven Tickets für den Rundgang, ausgearbeitet von der Schwalm-Touristik, verlost.

Und so erlebten die Gäste einen unterhaltsamen, informativen und kurzweiligen Einblick in das Leben der Festung. Hans-Eberhard Ahrend, Hannelene Staloch und Hartmut Baum lenkten die Gruppe vorbei am Festungsmodell, durch das Museum, entlang der Alten Apotheke, des Kornhauses, vorbei am Lüdertor und schlussendlich auf den Turm der Schlosskirche.

Einen ersten Überblick gewährten die Gästeführer den Zeitreisenden am imposanten Modell im Museum der Schwalm. Baum erinnerte an die Synode in Homberg 1526, aus der 1539 die Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung hervor ging. „Die Einführung der Konfirmation war gleichzeitig der Anfang des Schulwesens. Melanchthon reiste umher, um sicherzustellen, dass eine gewisse Bildung vermittelt wird“, erläuterte Staloch.

Ahrend erzählte vom Leben in der Festung: „Im Winter rückten die Männer und Jungs aus, um das Eis über dem Wallgraben zu zerschlagen.“ Wer den Wallgraben errichtet habe, lasse sich indes nicht mehr genau sagen. „Es wurden wohl auch Arbeiter aus Thüringen angeworben. Aber Hand- und Spanndienste haben sicher örtliche Bauern übernommen.“

Beim Rundgang vorbei an der Reithalle des Landgrafen fragten die Gäste nach der Deckstation: „Die gibt es nicht mehr - heute ist der Hengst im Rucksack des Tierarztes“, kommentierte Hannelene Staloch. Am Hotel Landgraf erfuhr die Schar: „Das war das zweite Pfarrhaus von Ziegenhain.“

Neben einer Mühle, einer Bäckerei und anderen Betrieben war in der Festung auch für den Nachwuchs gesorgt: Es gab ein Hebammenhaus. Über Landgraf Philipp berichteten die Stadtführer, dass er sich einer List bediente, um seinen Freund Heinz von Lüder nicht hängen zu müssen. „Es stand geschrieben, dass von Lüder am Tor hängen sollte. Und so ließ Philipp eine Kette schmieden, legte sie dem Freund unter den Armen durch und hängte ihn auf. Es habe ja nirgends geschrieben gestanden, dass man ihm am Halse aufhängen sollte“, erläuterte Staloch.

Wenngleich die Zeiten durchaus rau waren. Philipp habe zwei Ehen geführt, „und beide Frauen bedient“. 18 Kinder gingen hervor. Weil die Kinder aus erster Ehe jedoch Angst ums Erbe gehabt hätten, ließen sie den Erstgeborenen der zweiten Ehe im Schloss gefangen nehmen, wo er bis zum Lebensende einsaß. „Er war der erste Gefangenen Ziegenhains“, erklärte die Gästeführer.

Bildergalerie von der Stadtführung

Stadtführung durch die Ziegenhainer Wasserfestung

Reinhard und Lilli Zinn aus Hundshausen gehörten zu den Gewinnern und zogen ein positives Fazit: „Es ist toll, die Region auf diese Weise kennen zu lernen.“ Und Michaela Knoch aus Weißenborn und Sabine Weismüller-Pede aus Görzhain genossen den Blick vom Kirchturm - Erinnerungsfotos inklusive. Und Brunhilde Langmack, die aus Obergrenzebach stammt, aber seit vielen Jahren mit ihrem Mann Heiko in Leer lebt, freute sich riesig über die Möglichkeit: „Ich habe es gelesen und mitgemacht. Eine schöne Idee, die Schwalm aus einer anderen Perspektive kennen zu lernen“, sagte sie.

Beim Abschluss im Lüderkeller stießen Gastgeber und Gäste zünftig auf den Nachmittag an: Bei Haaße-Bier schmeckten Ahle Wurscht und Schmalzebrot.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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