Städte- und Gemeindebund zu Konversion: „Oft rechnet es sich nicht“

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Bald wieder im Besitz der Stadt: Die ehemaligen Bundeswehrflächen der Ostpreußenkaserne und der Dörnbergkaserne wird die Stadt Homberg kaufen.

Homberg. Die Vermarktung ehemaliger Bundeswehrgelände – den so genannten Konversionsflächen – ist vor allem in den Speckgürteln zur Rhein-Main-Region erfolgreich, sagt Karl-Christian Schelzke, Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindebundes auf HNA-Anfrage.

Bei Konversionsflächen in ländlichen Regionen – wie in Homberg – stelle sich die Situation regelmäßig anders dar.

Dabei komme es oftmals zu erheblichen Vermarktungsproblemen, was wohl damit zusammenhänge, dass für die Konversionsflächen vom Bund stolze Preise verlangt werden, die die Gemeinden auch zahlen, da sie verhindern wollen, dass Schandflecke entstehen. Diese Einschätzung beruhe zwar nicht auf einer Statistik, aber auf den Erfahrungen von verschiedenen Bauamtsleitern, sagt Schelzke.

Ob sich der Kauf eines solchen Geländes, wie es nun die Stadt Homberg vor hat, überhaupt lohnt, hänge davon ab, ob das Bauland begehrt ist. „Im ländlichen Bereich dürfte sich eine Vermarktung oftmals nicht rechnen“, sagt der Chef des Städte- und Gemeindebundes.

Die Finger von einem solchen Gelände sollte eine Stadt lassen, wenn es mangelnde Vermarktungsaussichten gibt oder es sich um Bundeswehrgelände handelt, auf denen mit Chemikalien und Kampfmitteln umgegangen wurde.

Sie seien – wie auch Bahnflächen – häufig mit Altlasten belastet, für die der Erwerber sanierungspflichtig werde. Doch gebe es auch Vorteile für den Kauf. Die sieht Schelzke in einer aktiven Städtebaupolitik. „Es kann eine negative Veränderung des Gemeindegebietes verhindert werden.“

Positiv betrachtet seien Gemeinden selten in der Lage derart große Flächen einer Nutzung zuführen. Insbesondere flächenintensive Betriebe könnten angesiedelt werden. Oftmals ermögliche die Lage des Geländes – abseits von Wohnnutzungen – die Ansiedlung von Gewerbebetrieben, die stark Stoffe abgeben. Aus planungsrechtlicher Sicht liege der Reiz dieser Flächen darin „aus dem Vollen schöpfen zu können“.

Schelzke räumt ein, dass der Städte- und Gemeindetag in der Vergangenheit nur partiell mit Konversionsflächen befasst war.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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