Zahl der Hühner, Schweine und Rinder pro Betrieb steigt

In den Ställen stehen immer mehr Tiere

Seltener Einblick: Dieser Hähnchenmaststall in Sprötze (Kreis Harburg) öffnet seine Türen für Besucher, um ihnen einen Eindruck von moderner Tierhaltung zu geben. Foto: dpa

Schwalm-Eder. Landwirte im Schwalm-Eder-Kreis halten pro Betrieb immer mehr Tiere. Das geht aus einer Statistik des Kreisbauernverbands hervor. 2010 lebten zum Beispiel durchschnittlich 180 Schweine in einem Betrieb, während 2003 nur 124, und im Jahr 1990 sogar nur 45 Schweine pro Betrieb gehalten wurden.

„Aber eine Massentierhaltung im industriellen Ausmaß gibt es bei uns nicht“, sagt Dr. Bernd Wenck, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes. In der Weser-Ems-Region zum Beispiel würden vier bis fünf Mal so viele Tiere pro Hektar Fläche gehalten wie im Schwalm-Eder-Kreis.

Mitglieder von Bürgerinitiativen gegen Massentierhaltung allerdings widersprechen Wencks Darstellung. Die Durchschnittswerte im Schwalm-Eder-Kreis seien zwar vergleichsweise niedrig, sagt Bernhard Leuteritz, Sprecher der Bürgerinitiative in Niedenstein-Metze. Doch es gebe im Landkreis auch Regionen, in denen ähnliche Verhältnisse herrschten wie im Weser-Ems-Gebiet.

„In Metze gibt es eine Hühnchenmastanlage mit 76 500 Tieren in zwei Ställen und eine Schweinemastanlage mit 2000 Tieren“, sagt Leuteritz. Da habe jedes Huhn eine Fläche in der Größe eines DIN A 4-Blatts zur Verfügung, und jedes Schwein etwa 0,7 Quadratmeter Fläche. „Da ist keine artgerechte Haltung möglich“, sagt Leuteritz.

Das Misstrauen gegenüber größeren Ställen sei aus seiner Sicht nicht gerechtfertigt, sagt dagegen Bernd Wenck: „Kleine Betriebe bedeuten nicht unbedingt mehr Tierschutz und weniger Emissionen.“ Wer in der Landwirtschaft ein gutes Einkommen haben wolle, müsse die Möglichkeiten der Technik nutzen.

Das sieht Gerd Kipper von der neuen Bürgerinitiative in Gudensberg anders: „Ich kenne Landwirte, die Tiere artgerecht halten und trotzdem davon leben können.“ Allerdings brauche es dazu auch Kunden, die für Fleisch mehr Geld zahlen.

Hintergrund:

Insgesamt wird im Landkreis heute weniger Vieh gehalten als noch vor ein paar Jahren. Die Zahl der Schweine etwa sank von 167 377 im Jahr 2003 auf 162 543 im Jahr 2010, die der Rinder von 39 972 auf 33 580. Nur die Zahl der Masthähnchen ist rasant angestiegen: von 660 im Jahr 2003 auf 138 943 im Jahr 2010. Gleichzeitig gibt es aber auch immer weniger Betriebe, in denen noch Vieh gehalten wird: 2003 gab es im Landkreis noch 1848 Betriebe mit Viehhaltung, 2010 waren es noch 1178. Dies liege an den strengeren Vorgaben für die Tierhaltung , sagt Wenck. Viele Landwirte müssten die Viehhaltung aufgeben, weil sie sich eine Umrüstung nicht leisten könnten.

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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