Hühner wollen jetzt raus: Die Verletzungsgefahr wird größer

Stallpflicht wegen der Vogelgrippe: Landwirte beklagen zusätzliche Kosten

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Blick ins Hühnermobil: Die Türen des mobilen Stalls sind derzeit geschlossen. Die Tiere müssen sich zu siebt einen Quadratmeter Platz teilen.

Körle/Morschen. Seit mehreren Monaten gilt im Kreis Stallpflicht wegen der Vogelgrippe. Mit jedem Tag, den die Stallpflicht weiter besteht, werden die Probleme der Landwirte größer.

Geflügelhalter dürfen die Tiere nicht nach draußen lassen. Im Laufe der nächsten Woche soll im Hessischen Ministerium entschieden werden, ob die Stallpflicht auch in den geflügeldichten Regionen aufgehoben wird, teilt Kreissprecher Stephan Bürger auf Anfrage mit. Gerade jetzt, wo das Frühjahr beginnt, wird es für die Landwirte von Tag zu Tag schwieriger. „Durch die Helligkeit wird der Drang der Hühner, nach draußen zu kommen, immer größer“, sagt Tobias Schäfer (28) aus Wagenfurth.

Normalerweise würden seine Hühner jetzt den ganzen Tag draußen auf der Wiese umherlaufen und Gras picken. Wegen der Stallpflicht müssen sie stattdessen Tag und Nacht im Hühnermobil verbringen.

260 Tiere im Stall

260 Hühner sitzen in einem mobilen Stall, knapp 800 Tiere hält Schäfer. „Die werden irgendwann wahnsinnig“, sagt der Landwirt. 7,5 Hühner leben derzeit auf einem Quadratmeter, normalerweise hat bei Schäfer ein Huhn vier Quadratmeter Platz für sich. Fehlende Beschäftigung und Auslauf forderten schnell die ersten Todesopfer. „Ich hatte vier bis fünf tote Tiere in der Woche“, sagt Schäfer. Die Hühner fingen an, sich zu hacken – und sobald es an einer Stelle blute, ginge es mit den Hühnern durch. „Wenn die rot sehen, rasten die aus.“ Blut bedeute daher das Todesurteil für ein angepicktes Huhn.

Sonnenbaden am Gitter: Wegen der Stallpflicht dürfen Geflügelhalter ihre Tiere derzeit nicht nach draußen lassen. Die Hühner von Tobias Schäfer aus Wagenfurth drängen sich daher dicht ans Gitter des Hühnermobils, sobald die Sonne scheint. 

Um den Hühnern etwas mehr Auslauf zu ermöglichen, hat Schäfer einen provisorischen Freilauf gebaut. „Seitdem können sich die Tiere wieder aus dem Weg gehen und hacken sich nicht mehr.“ Eine dauerhafte Lösung sei das aber auch nicht.

Die Eier seiner Hühner darf Schäfer zurzeit nicht als „Freiland“ deklarieren. 250 Euro musste er alleine für die neuen Stempelnummern ausgeben. In Beschäftigungsmaterial wie Picksteine, damit die Tiere in den Ställen etwas zu tun haben, muss er jede Woche 120 Euro investieren. „Das sind alles zusätzliche Kosten, die ich wegen der Stallpflicht habe.“ Die Kunden blieben Schäfer glücklicherweise treu, auch wenn die Hühner derzeit kein frisches Gras fressen könnten. „Klar, die Leute sagen, dass die Eier nicht so gut schmecken, wie normalerweise. Aber sie lassen uns deshalb nicht im Stich.“

Fehlende Informationen

Tobias Schäfer

Besonders ärgert sich Schäfer über die Informationspolitik des Veterinäramtes. „Meine letzte Info war, dass die Stallpflicht in zehn bis 14 Tagen aufgehoben werden soll. Aber genau das hat man mir im Januar auch schon gesagt.“ Das ärgert auch Hubert Hirschle, der in Morschen einen Biohof betreibt und unter anderem Weidehähnchen hält. „Wir müssen uns selbst um Infos kümmern und sollen über die Medien die neuesten Informationen einholen.“ Die Stallpflicht koste einen Haufen Energie. Damit sich die Tiere nicht hacken, habe Hirschle die Besatzdichte im Stall verringert. „Wenn das noch lange so bleibt, wird es wirtschaftlich schwierig für uns. Wir sind ja kein Hobby-Betrieb.“

Hinzu käme, dass die Tiere mehr Einstreu bräuchten. „Dadurch haben wir auch mehr Mist. Das ist alles viel mehr Arbeit.“ Gaststätten und Catering-Betriebe bestellten bereits weniger Geflügel, weil die Kunden wegen des Virus verunsichert seien. „Der Erreger ist nicht vom Geflügel auf den Menschen übertragbar. Die Leidtragenden sind die Geflügelhalter“, sagt Hirschle. Hühner seien keine Stalltiere. „Sie müssen nach draußen und ihren natürlichen Neigungen nachgehen.“

Bio-Eier bleiben trotz Stallpflicht Bio-Eier

Auf dem Heidehof in Albshausen leben die Hühner normalerweise auch draußen auf der Wiese. Genau wie Tobias Schäfer in Wagenfurth hat Fabian Umbach ein Hühnermobil. Zudem hält er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Tiere in einem festen Stall. Der Unterschied: Umbach betreibt einen Biohof. Die Eier seiner Hühner muss er zurzeit nicht wie Schäfer als Bodenhaltungseier deklarieren, er darf sie weiter als Bio-Eier verkaufen.

Denn trotz verhängter Stallpflicht erfüllt er unter anderem Bio-Auflagen für Futter und Arzneimittelgabe. „Deshalb haben wir zum Glück keine höheren Kosten wegen der Stallpflicht“, sagt Umbach.

Seine beiden Ställe habe er, als die Stallpflicht eingeführt wurde, zufälligerweise gerade mit Junghennen belegt, das sei ein großes Glück gewesen. „Die waren es nicht gewöhnt, raus zu gehen und verhalten sich deshalb momentan ruhig und machen keine Probleme.“ Wenn die Tiere den Auslauf gewohnt gewesen wären „dann hätten sie auch angefangen, aufeinander loszugehen, wenn sie plötzlich eingesperrt werden.“

Quelle: HNA

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