Selbstbehauptung und Gewaltprävention an der Breunaer Braunsbergschule

Starke Kinder sagen nein

So geht das Stoppsignal: Lilith, Karoline, Silas und Alexandra demonstrieren, wie’s geht. Gelernt haben sie die Abwehrgeste von Gewaltpräventionstrainer Steffen Heinemann.

Breuna. Überall im Klassenraum schnellen Arme in die Höhe. Das Thema ist hochspannend und dieser Unterricht nicht alltäglich. Die Kinder gehen mit, wie es sich ihre Lehrer in den herkömmlichen Fächern wohl manchmal wünschen mögen. Um Selbstbehauptung und Gewaltprävention geht es derzeit an der Braunsbergschule in Breuna. Sämtliche Klassen machen mit bei einem speziellen Trainingsprogramm, damit die Kinder niemals Opfer werden oder andere zu Opfern machen.

Projektwoche

Für die erste Schulung dieser Art an der Breunaer Grundschule wurde Gewaltpräventionstrainer Steffen Heinemann engagiert. Nach und nach kommen die Klassen in den Genuss des Kurses. Der steht im Mittelpunkt der aktuellen Projektwoche. Am Ende wissen die Schüler um die Bedeutung der drei „A’s“ und der drei „L‘s“, kennen den „Verlockungsknopf“, das Stoppzeichen per Körperhaltung und weitere unerlässliche Verhaltensregeln für den Fall eines drohenden Übergriffs. Und sie sagen entschieden „Nein!“, wenn sie nein meinen.

Die Kinder lernen: Aufpassen, Abstand halten, abhauen, wenn eine Person zu nahe kommen will. Bloß nicht hinrennen, wo es dunkel ist oder sich kein Mensch aufhält. „Licht, Lärm und Leute suchen“, impft der Trainer seinen jungen Zuhörern ein. Und er mahnt zur Vorsicht bei Versprechungen fürs Mitgehen, wenn der mögliche Übeltäter „den Verlockungsknopf drückt“, wie Heinemann diesen Trick kindgerecht bezeichnet.

Mit wem darf ich eigentlich mitgehen oder -fahren, ohne vorherige Rücksprache mit den Eltern? Eine der wichtigsten Fragen. Auch in diesem Punkt sehen die Kinder jetzt klar. Als Heinemann den Bösen mimt und unter einem Vorwand zum Mitfahren auffordert, weil der Vater angeblich auf dem Weg zum Abholen aufgehalten wurde, ruft Luca entschlossen: „Nichts da! Wie lautet denn unser Familienpasswort?“ Perfekt. Heinemann lobt, die anderen Kinder applaudieren.

Gefahr durch Frauen?

Ein Junge möchte wissen, ob auch von Frauen eine Gefahr ausgehen könnte. Der Präventionstrainer antwortet mit einem Hinweis auf die Polizeistatistik. Danach sind 90 Prozent der Täter, die es auf Kinder abgesehen haben, Männer. Und, Achtung, zwei Drittel von ihnen kommen aus dem persönlichen Umfeld des Kindes.

Auch dieser Unterricht endet nicht ohne Hausaufgaben. Daheim sollen Kinder und Eltern, wo noch nicht geschehen, ein Familienpasswort verabreden. Denn wer das im Zweifelsfall nennen kann, gilt schon mal als ziemlich vertrauenswürdig.

Selbstbewusster und selbstsicherer gehen die mit Tipps und Tricks zum eigenen Schutz versorgten Grundschüler aus dem Training hervor. Sie haben aber auch gelernt, die „Wohlfühlgrenzen“ anderer nicht zu übertreten. „Dass diese Regeln nicht vergessen und im Schulalltag gelebt werden, ist jetzt unsere Aufgabe“, sagt Schulleiterin Ursula Deuermeier-Stuhl fürs Kollegium.

Von Dorina Binienda-Beer

Quelle: HNA

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