Hertha Schmidt feiert am heutigen Mittwoch ihren 100. Geburtstag

100. Geburtstag: Starker Wille hält sie fit

Vier Generationen unter einem Dach: Enkelin Katja Fenge, Urenkelin Charlotte Fenge, das Geburtstagskind Hertha Schmidt und Katja Fenges Schwiegermutter Anni Fenge. Wie früher schafft es die 100-Jährige noch immer, ihre Mitmenschen mit ihren selbst geschriebenen Gedichten in den Bann zu ziehen. Foto: Hohagen

Felsberg. Ihr starker Wille – der fällt Hertha Schmidt als erstes ein, wenn sie von ihrem langen Leben zu erzählen beginnt. „Ohne den, wär’ ich doch sicher nicht so alt geworden.“ Zum 100. Mal feiert sie heute ihren Geburtstag.

Außer dem starken Willen sei viel Bewegung das Rezept für ihr stolzes Alter. „Ich war eine Turnerin in der Leichtathletik“, erzählt sie. Dass sie das gegen den Wunsch ihrer Mutter bis zum 16. Lebensjahr sogar im Verein machen konnte, das habe sie wiederum ihrem starken Willen zu verdanken. Und als sie nicht mehr turnen konnte, sei sie eben zu Fuß gegangen. Überallhin. Zum Einkaufen, für Besuche auch mal bis zu 20 Kilometer. Autos und Busse seien ja lange Zeit nicht üblich gewesen. „Und später war ich manchmal eh schneller als der Bus.“ Ihre gymnastischen Übungen, die mache sie bis heute, sagt die zierliche Frau, kreist ihre Arme, hebt ihre Beine.

Aufgewachsen ist Hertha Schmidt in Greifenberg in Pommern. An das Johannisbeeren-Pflücken erinnert sie sich gern zurück, an das Leben mit ihren älteren Schwestern Erna und Dora. Über Verwandte ist sie mit 16 Jahren nach Berlin gekommen und hat dort als Haushaltshilfe gearbeitet.

„Der schönste Tag im Leben, dürfte der Geburtstag sein, denn damit beginnt das Leben, das leuchtet ja wohl ein.“

Ihren ersten Mann, einen Berufssoldaten, lernte sie in Stettin kennen. 1942 brachte sie ihre einzige Tochter Hildegard zur Welt. Auf den schönsten Moment ihres Lebens folgte drei Jahre später die schlimmste Zeit. „Im Krieg war ich ein Jahr lang mit meiner Tochter auf der Flucht, zu Fuß.“ Gelandet sei sie schließlich in Bad Iburg bei Osnabrück. Der Ort wurde ihr Lebensmittelpunkt: Hier baute sie ein Haus, zog ihre Tochter auf, ließ sich scheiden. „Nimm deine Sachen und hau ab“, habe sie zu ihrem Mann gesagt, weil er fremd gegangen war. 1973 heiratete sie zum zweiten Mal, Erich Schmidt, der wenige Jahre später starb. Erst vor elf Jahren hörte Hertha Schmidt in Bad Iburg zu arbeiten auf und zog zu ihrer Tochter nach Brunslar.

Ihren Geburtstag feiert die alte Dame heute in ihrer Wohngemeinschaft: Seit ihre Tochter vor vier Jahren überraschend starb, wohnt sie in einer Wohnung mit ihrer Enkelin Katja Fenge, deren Ehemann und ihrer Urenkelin. In der Pflege wird sie von Katja Fenges Schwiegermutter Anni Fenge unterstützt. „Ohne Anni geht es nicht“, sagt Hertha Schmidt dankbar. Unbedingt in die Zeitung müsse das deshalb.

Die Familie erfreut sie noch oft mit den vielen Geschichten aus ihrem langen und aufregenden Leben und den eigenen Gedichten. „Der schönste Tag im Leben, dürfte der Geburtstag sein, denn damit beginnt das Leben, das leuchtet ja wohl ein...“

Quelle: HNA

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