Arbeitskreis Dorferneuerung und Stadt Naumburg gehen gezielt das Problem leer stehender Immobilien an

Steckbriefe für alte Häuser

Problemfälle in bester Lage: In Naumburgs Hauptgeschäftsstraße gammelt das Haus rechts seit Jahren unbewohnt vor sich hin, auch die ehemalige Stadtschänke (links), ein einzigartiges Fachwerkhaus aus der Zeit nach dem großen Stadtbrand von 1684 , steht leer und verkommt zunehmend. Fotos:  Norbert Müller

Naumburg. Mehr Grün, ein lauschiger, nett gestalteter Platz als Treffpunkt im Ort und Möglichkeiten, Autos zu parken: Wenn es um Dorferneuerung geht, stehen diese Punkte meist ganz oben auf der Liste. In Naumburg, wo die Dorferneuerung gerade angelaufen ist, hat man ein anderes Problem im Fokus: die leerstehenden Häuser.

Ihnen gelte derzeit das zentrale Interesse der Bürger, die sich im Arbeitskreis Dorferneuerung treffen, Ideen besprechen und Konzepte austüfteln, erklärt Rathauschef Stefan Hable. Und die Stadtverwaltung, so der Bürgermeister weiter, unterstütze nach Kräften, schließlich sei ja wesentliches Ziel der über neun Jahre laufenden Dorferneuerung in der Kernstadt und im Stadtteil Altendorf, die Altortslagen attraktiver zu gestalten, sie wieder als Wohnquartiere in Position zu bringen und damit zu beleben.

„Was die Eigentümer der Häuser letztlich machen, ist allein deren Entscheidung.“

Stefan Hable Bürgermeister

Die Verwaltung hat nun für den Bereich, der in der Kernstadt von der Dorferneuerung erfasst ist, ein Leerstandskataster erstellt. Im Bereich der Altstadt mit Bahnhofstraße und Kronberg gibt es 218 Häuser, 19 stehen leer. Mittelfristig könnten weitere 26 dazu kommen.

Für jedes als problematisch eingeschätzte Gebäude soll es einen Steckbrief geben, den ein von der Stadt beauftragtes Unternehmen erstellen wird - das Interesse des Hauseigentümers vorausgesetzt. Die Experten werden die Immobilie begutachten, dabei auch beurteilen, für welche Nutzung sich das Haus eignet - für Gewerbe, Wohnraum für Senioren oder junge Familien.

Für den Hauseigentümer hat der für ihn kostenlose Steckbrief den Vorteil, dass er ein Papier mit Anregungen bekommt, was er mit dem Haus machen könnte, um es aufzuwerten. Hable: „Es wird eine Perspektive aufgezeigt, was zu tun wäre.“ Die Beratung über die Möglichkeiten der Dorferneuerung mit ihren Fördermöglichkeiten gibt es dazu.

Holländer im Blick

Der Steckbrief soll aber auch auf einem anderen Feld eine Hilfe sein. Naumburg möchte den Leerstand, der durch die demografische Entwicklung zunehmend problematisch wird, in den Griff bekommen, indem verstärkt Häuser in Holland vermarktet werden. Erste Erfolge gibt es. „Mit dem Steckbrief“, so Bürgermeister Hable, „halten die Interessenten dann mehr als nur ein Foto in der Hand.“

Kürzlich war eine Delegation aus Naumburg auf Europas größter Auswanderermesse im holländischen Utrecht. Mit dabei eine aus den Niederlanden stammende Naumburger Neubürgerin, die kürzlich mit ihrem Mann in Naumburg ein Fachwerkhaus gekauft hat.

Beim Besuch der Messe sei es zunächst darum gegangen zu sehen, „was die Holländer wissen wollen“, so Hable. Die Steckbriefe werde es auch in holländischer Übersetzung geben. Mit dem Immobilien-Steckbrief wolle die Stadt „eine Perspektive eröffnen“, so der Bürgermeister. „Was die Eigentümer der Häuser letztlich machen, ist allein deren Entscheidung.“

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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