Schon immer Dieselfahrer 

Stefan Siemon fährt seit über 30 Jahren Mercedes

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Den Stern im Blick: Stefan Siemon aus Homberg mit seinem Mercedes Benz Modell W123. 

Homberg. Seit Stefan Siemon aus Homberg seinen Führerschein hat, fährt er Mercedes und ist Dieselfahrer. Ein Umdenken hält er aber für nötig.

Ein Stillleben aus Öldosen, ein Schlangengewirr von Auspuffrohren, ein Ordnungsprinzip, das nur Eingeweihte durchschauen. An der Garagentür hängen Fotos von nackten Frauen, die wohl immer dort hängen, wo Mann an Motoren schraubt.

In diesem Fall heißt der Mann Stefan Siemon, kommt aus Homberg und hat eine Garage mit Schrauberwerkstatt. Von Beruf Elektriker und schon immer Dieselfahrer. Seitdem er den Führerschein hat, fährt er Mercedes. Ein Großteil seines Lebens. Aus Passion, wie er sagt. 

1983 hat er angefangen. Als Siemon zum Dieselfahrer wurde, feierte das Auto gerade seinen 97. Geburtstag. Es gab noch keine Diskussion um Feinstaub, keinen Diesel-Skandal, und die Autohersteller hatten die Elektromobilität noch nicht verschlafen. 

Siemon bastelt an vier Oldtimern

Und dann, sagt Siemon: „Die Technik ist einfach genial.“ Vier Autos hat er, an denen er gerade bastelt. Alles Oldtimer. Modell W 123. Das meistgebaute Modell von Mercedes. Siemon: „Ein Inbegriff von Solidität.“ Produziert von 1980 bis 1984.

Die Autos sind sein Hobby. Da baut er erst alles zusammen, hämmert, feilt und raspelt, bis alles ordentlich sitzt, die Türen schließen und die Flügel der Motorhaube nicht klemmen. Und dann zerlegt er alles wieder, bis vom Auto nur noch das Skelett übrig bleibt.

Siemon hat immer etwas zu tun. Die Liste ist lang. Umbauten nimmt er ebenfalls vor. „Manchmal baue ich Sachen auch nachträglich ein.“ Doch ginge es nach Stefan Siemon, müsste sich was verändern. Auch die Autos aus Stuttgart, die sich in aller Welt verkaufen. Der Diesel-Skandal? Klar, eine große Schweinerei, „aber mal ehrlich, das machen doch alle“. In deren Kosmos sticht Ökonomie weiterhin Ökologie.

Umdenken beim Thema Diesel

Ob er sich vorstellen könne, jemals etwas anderes außer Diesel zu fahren? „Na klar. Es muss ja auch was passieren, die Möglichkeiten sind doch da!“ Siemon weiß, wovon er spricht. Wasserstoff-, Hybrid-, Elektroautos. Zu allem kann er was zu sagen, und wenn es um das Thema Diesel geht, hat er allerlei zu erzählen.

Zwei Millionen Kilometer haben seine Daimler auf dem Buckel. Es ist die Schönheit vergangener Design-Epochen und die Fortbewegung in Fahrzeugen, in denen noch alle Macht vom Fahrer ausgeht – ohne Bevormundung durch Stabilitätskontrolle, ABS und Servolenkung. „Autofahren pur und das gemütlich“, sagt der 53-Jährige.

Die Wahrheit über Siemon steckt in seinen Oldtimern. Wenn man erst mal hinter dem großzügig dimensionierten Lenkrad Platz genommen hat, stellt sich sofort ein „Zuhause-Gefühl“ ein. Ist die Fuhre in Fahrt gekommen werden beim Fahrer Erinnerungen wach: an einen sogar beim geradeaus Fahren unmotiviert am Lenkrad drehenden Cary Grant in Hitchcock-Filmen. Denn die relativ gefühllose Servolenkung mit stets etwas Spiel um die Mittellage macht Geschwindigkeiten jenseits der 140 km/h nicht zum Vergnügen.

Zudem haben die für heutige Begriffe viel zu weichen Sitze mit ihrem Sprungfederunterbau den Sitzcharakter von Omas Esszimmersofa. Und wenn er mal nicht läuft? „Der läuft immer und hat mich noch nie im Stich gelassen. Und mehr brauche ich auch nicht“, sagt Siemon und lacht.

Quelle: HNA

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