Eine große Kunstfamilie

Johann Steffen und seine Verwandten stellen im Fritzlarer Regionalmuseum aus

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Vater einer Künstlerfamilie: Johann Steffen fertigt im Fritzlarer Museum an einer Intarsienarbeit an.

Fritzlar. Man könnte Johann Steffen einen Patriarchen nennen. Aber wenn man dem 73-Jährigen im Fritzlarer Regionalmuseum begegnet, will der Begriff so gar nicht passen. Steffen ist bescheiden, zurückhaltend. Ein leiser Mensch und der Kopf einer beeindruckenden Künstlerfamilie. Ihr Können ist jetzt in einer Ausstellung in Fritzlar zu sehen.

Da ist zunächst Johann Steffen selbst, geboren in der Ukraine, Kunst-Fernstudium an einer Moskauer Hochschule, danach Künstler und Leiter der Souvenirabteilung einer Möbelfabrik im Norden Kasachstans. 1992 kam er mit seiner Familie nach Deutschland, zunächst nach Zennern. Steffen arbeitete in einer Tischlerei. Der Werkstoff Holz ließ ihn nicht los. Klaus Leise und Dr. Johann-Henrich Schotten vom Museumsverein entdeckten den Künstler für das Fritzlarer Museum. Es gab eine Ausstellung, und der Kontakt wurde bald enger.

Heute hat Steffen eine eigene Werkstatt im Regionalmuseum. "Er hat viele Truhen restauriert", sagt Museumsleiter Alfons Brüggemeier über den Holzexperten. Besonders beeindruckend sind die Intarsienarbeiten von Steffen.

Ausstellung Familie Steffen: 

Bis 11. Juli, dienstags bis freitags 10 bis 12 und 15 bis 17 Uhr, Patrizierhaus Fritzlar.

In der Ausstellung ist etwa eine Art Triptychon über Fritzlar und seine Geschichte zu bewundern. Innen zieren Porträts von König Heinrich und Bonifatius die Tafeln. Klappt man das Kunstwerk zu, kann man eine Ansicht der Domstadt nach dem bekannten Merian-Stich sehen. Jedes kleine Stück hat Johann Steffen vorgezeichnet, mit einem feinen Messer aus Holzfurnier ausgeschnitten und fein säuberlich aufgeklebt, bevor es abgeschliffen wurde.

Die Arbeit am Triptychon habe ziemlich lange gedauert, sagt Steffen, acht Monate nämlich. In dieser Zeit hat er um die 3500 Teile für das Kunstwerk verarbeitet.

Viele seiner akribisch-beeindruckenden Arbeiten kann man in Fritzlar bestaunen. Doch ihren großen Reiz gewinnt die Ausstellung erst durch ihre Bandbreite, denn Steffens Familie hat künstlerisch viel zu bieten.

Moderne Metallskulpturen und abstrakte Gemälde hat Alexander Litwinow beigesteuert, Steffens Schwiegersohn, der in Fulda als Künstler und Grafikdesigner lebt.

Dessen Frau Irina hat Architektur studiert. Sie hat für die Ausstellung ungewöhnliche Colliers beigesteuert. Steffens Enkel, beide heißen Eugen, haben sich der Fotografie verschrieben. Eugen Litwinow ist hauptberuflicher Künstler und Fotograf in Berlin. Eugen Steffen ist bei der Bundespolizei und Schwimmtrainer die Fotografie ist sein Hobby.

Und schließlich ist da noch Lilli Steffen, Ehefrau des Fritzlarers und, wie er sagt " meine erste Kritikerin". Sechs Künstler, eine Familie, eine Ausstellung ein Besuch im Regionalmuseum lohnt sich.

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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