Friedhofspflege-Gruppe spendete Findling als Hinweis auf anonyme Bestattungen

Stein gibt Gräbern Würde

Findling auf dem Friedhof: Ein Stein auf der Wiese in der Spitze im oberer Bereich des Friedhofs Oberaula kennzeichnet nun das Feld von anonym Bestatteten. Hier von links Irene Rös, die Sprecherin der ehrenamtlichen Friedhofpflege-Gruppe, Rosemarie Henschel, Gabi Rös, Elfriede Rosenthal, Helga Völker und rechts Margret Hassenpflug. Foto: Lache-Elsen

Oberaula. Das Feld der anonymen Bestattungen fristet nicht länger ein verwaistes Dasein im oberen Bereich des Oberaulaer Friedhofs. Eine Gruppe von Frauen, die sich vor zwei Jahren zur ehrenamtlichen Pflege des Friedhofs formierte, wollte dem Ort Würde verleihen. Sie spendeten einen Findling als Hinweis auf die Toten, die anonym auf einer spitz zulaufenden Wiese bestattet wurden.

Seit Wochenbeginn steht der Findling im oberen Bereich des Friedhofs an der Homberger Straße in Oberaula. Nur ein Wort ist darauf zu lesen: „Unvergessen“.

Wer sich auf der Wiese hinter dem Findling bestatten ließ, hat sich vor seinem Tod für eine anonyme Grabstätte entschieden. Seit einigen wenigen Jahren sei dies in Oberaula möglich, berichtete die Sprecherin Irene Rös.

Inzwischen wurden zehn bis zwölf Verstorbene auf diesem Feld bestattet, das sich dem Besucher bisher als unscheinbarer Rasen präsentierte, ein bislang ungestaltetes Gelände. Vor zwei Jahren fand sich auf Anregung des Bürgermeisters die Gruppe von Frauen zusammen, die sich zweimal im Monat trifft, um den Friedhof zu pflegen, sagte Rös.

Honorar investiert

Die Gemeinde honoriert das Ehrenamt mit einer Zuwendung. Das Geld sparten die Frauen zwei Jahre lang und investierten es, um einen Findling aus Granit bearbeiten und an der Stelle aufstellen lassen zu können. Das anonyme Gräberfeld war so ausgelagert, erzählt Rosemarie Henschel, das habe sie gestört. Diesen Bereich wenigstens als Ruhestätte zu kennzeichnen „das lag uns am Herzen“. „Die Toten, die da liegen, sind uns genauso wichtig wie die Urnengräber“, betonte sie.

Junge Leute ziehen weg

Abhilfe schafft nun der Stein als Hinweis auf das anonyme Gräberfeld, das früher von den Damen „die Blümchenwiese“ genannt wurde. Nach Ansicht der Friedhofspflege-Gruppe sterbe die Generation der Menschen aus, die Gräber pflegen. Schließlich leben Kinder oft andernorts. Deshalb gehen die Frauen davon aus, dass die Zahl der anonymen Bestattungen in Zukunft weiter steigen wird.

Sie sind mit vollem Einsatz dabei. „Wir freuen uns, dass wir uns bewegen können“, sagte Rosemarie Henschel. Verwirklicht werden konnte die Idee nicht zuletzt, weil Irene Rös den alten Grabstein ihrer Großeltern für dieses Unternehmen stiftete. Ein Steinmetz in Kirchheim hatte den Granit-Findling gereinigt und mit dem Schriftzug versehen.

Die Damen freuten sich, ihre Idee in die Tat umgesetzt zu haben. Denn „von der Gemeinde wäre kein Geld da gewesen, um die Stätte würdig zu kennzeichnen.“

Weitere Ideen

Die Gestaltung des Bereiches um den Findling, der die Urnenfelder von den anonymen Bestattungen abgrenzt, ist das nächste Projekt. Ein Rondell, eine Sitzbank, ein Weg – sie haben viele Ideen, mitzugestalten, um einen schönen Ort zum Verweilen zu schaffen.

Von Alexandra Lache-Elsen

Quelle: HNA

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