Der 71-Jährige Rudi Becker errichtet kleine Kunstwerke im Lenderscheider Wald

Steine gaben Rätsel auf

Naturkunst: Rudi Becker errichtet kleine Kunstwerke aus Basaltsteinen. Entlang eines Wanderpfades im Wald bei Lenderscheid lassen sich kleine Männchen, Türme und Pyramiden entdecken . Oben links ist der Erbauer neben seiner ersten Figur zu sehen. Fotos: Ritter

Lenderscheid. Ein Geheimnis ist gelüftet: Der Lenderscheider Rudi Becker ist der Erbauer der kleinen Kunstwerke, die schon seit einigen Monaten im Wald bei Lenderscheid scheinbar wie von Geisterhand entstehen. Sowohl Spaziergänger als auch Anwohner wussten bisher nicht, wer die Figuren errichtet, da bisher niemand den Künstler in Aktion gesehen hatte.

Vor allem eine Gruppe von Hundehaltern, die regelmäßig dort unterwegs ist, beobachtete die kontinuierliche Entstehung von neuen Werken. So entwickelten sich allmählich abenteuerliche Theorien rund um die ungewöhnliche Waldverschönerung.

Still und heimlich

Doch nun hat das Rätseln ein Ende. Ein Lenderscheider entdeckte Becker, als er gerade still und heimlich ein weiteres Kunstwerk fertigstellte. Er selbst war sich des Rätselratens um seine Person und seine Werke nicht bewusst.

Der 71-Jährige, dessen Faible für ursprüngliche Landschaften ihn erst kürzlich ans Nordkap führte, verbringt täglich zwei bis drei Stunden im heimischen Wald, wo er gerne allein oder gemeinsam mit seiner Frau wandert.

„Ich schaffe Schönes für alle, und meine Werke sind für alle da.“

Rudi Becker

Anfang des Jahres kam das Errichten der Steinfiguren hinzu. Sie sind überall an den Rändern eines Wanderpfades, der durch den Wald bis zum Wildpark Knüll führt, zu finden. Er beginnt oberhalb des Walperweges in Lenderscheid.

,,Bei Wanderungen am Edersee habe ich erstmals ähnliche Steintürme und -figuren gesehen und war von der schlichten Darstellung von Balance und Ausgewogenheit begeistert“, berichtet der gelernte Maurer, der in direkter Waldnähe wohnt.

Optimale Bedingungen

Inspiriert von den dortigen Figuren begann er daraufhin den Wald in seiner Heimat zu verschönern. Dort herrschen optimale Bedingungen zum Erbauen der Steinfiguren. Denn für seine Arbeiten muss Becker die Steine meist nicht weit tragen. Er sammelt sie in der Nähe derjenigen Stellen, die ihm als Untergrund für eine Figur geeignet erscheinen.

Außerdem benötigt er zum Bauen keinerlei Werkzeug, sondern arbeitet mit den Steinen in ihrer natürlichen Form. Schließlich entstehen mit viel Geschick Männchen, Steinpyramiden und Türme in den verschiedensten Größen. Sie stehen versteckt hinter Bäumen, auf Baumwurzeln oder auf großen Steinsockeln und fügen sich harmonisch in die Waldlandschaft ein.

Das Auftürmen der Basaltsteine ist ein wahrer Balanceakt und oftmals werden die Figuren durch Wind und Wetter oder auch von Spaziergängern zerstört. Rudi Becker baut sie dann geduldig von Neuem auf.

Andere bauen nun auch

Dabei stammen keineswegs alle Figuren von dem wanderbegeisterten Lenderscheider. Nach dem Vorbild seiner Figuren haben inzwischen auch andere Spaziergänger kleine Türme und Männchen errichtet. Becker freut sich über die Nachahmer, denn er erzählt ,,ich schaffe Schönes für alle und meine Werke sind für alle da“.

Mittlerweile wird der schöne Waldpfad bei Lenderscheid, der als Geheimtipp gilt, von etwa 30 Figuren gesäumt, die ihn lebendig erscheinen lassen und ihn in eine fast magische Stimmung tauchen.

Von Barbara Ritter

Quelle: HNA

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