Im Schwalm-Eder-Kreis fehlen ehrenamtliche Sterbebegleiter – wenig Geld für Angebote

Steiniger Weg für Hospize

Schwieriger Weg: Die ehrenamtliche Betreuerin Helga Haase aus Gleichen hilft Menschen auf ihrem letzten Lebensabschnitt – dem Gang in den Tod. Archivfoto: Dewert

Schwalm-Eder. Der Hospizdienst im Chattengau hat sich behauptet. Seit mehr als eineinhalb Jahren existiert das Angebot der Sterbebegleitung in Gudensberg, Niedenstein und Edermünde. Doch die Zukunft sei nur sicher, wenn sich weitere ehrenamtliche Helfer finden, sagt Koordinatorin Ursula Fülling. 45 seien es derzeit insgesamt. Allerdings stünden viele von ihnen nicht für die eigentliche Aufgabe zur Verfügung: „Wer gerade einen Menschen in den Tod begleitet hat, benötigt eine Auszeit. Keinesfalls darf man sich in den nächsten Fall stürzen“, sagt die Krankenschwester.

Andere Ehrenamtliche helfen bei der Büroarbeit, Verwaltung und beim Spendensammeln. Mit dem Hospizdienst Felsberg/Melsungen gibt es nur einen weiteren im Landkreis in dem hauptamtliche Koordinatorinnen arbeiten und Ehrenamtliche ausgebildet werden.

Überall fehlen Ehrenamtliche

„Die Situation ist bei allen Diensten dieselbe“, sagt Petra Hochschorner. Die Diplom-Psychologin leitet den Dienst in Melsungen. Überall fehle es an Ehrenamtlichen. Außerdem müsse das Angebot im Schwalm-Eder-Kreis bekannter gemacht werden. Eine Internetseite für alle Dienste fehlt. Jeder präsentiert sich derzeit selbst. Auf der Seite des Schwalm-Eder-Kreises gibt es aber eine Übersicht.

Die Dienste arbeiten mobil, das heißt es gibt keine stationären Angebote. Die Sterbenden würden sich zwar eine Begleitung in vertrauter Umgebung wünschen, glaubten aber oftmals, der Aufenthalt erfolge stationär. Besonders schwierig sei die Finanzierung der Sterbebegleitung, sagen Fülling und Hochschorner. Derzeit zahlen die gesetzlichen Krankenkassen für abgeschlossene Begleitungen.

Die privaten Krankenkassen und Sozialversicherungsträger beteiligten sich überhaupt nicht an den Kosten. Nicht bezahlt würden außerdem die Schulungskosten für die Ehrenamtlichen, die Miete und Kosten für Büros und die Fahrtkosten für die vielen Helfer. „Dieses Geld müssen wird derzeit über Spenden aufbringen“, kritisiert Hochschorner. Sie müsse beispielsweise einen Beitrag von 50 Euro für die Ausbildung verlangen. Dieses Geld decke die Materialkosten.

In 32 Stunden lernen die Ehrenamtlichen im Grundkurs alles Wesentliche – dann folgt ein Vertiefungskurs.

Ohne eine einjährige Anschubfinanzierung könnten die Dienste überhaupt nicht arbeiten, das erschwere die Gründung weiterer Angebote, sagt Fülling. Denn im ersten Jahr fließe noch kein Geld von den Kassen. Nur abgeschlossene Begleitung, diese auch nur auf Antrag, würden bezahlt. Der Hospizdienst Chattengau ist dem Sozialdienst des Missionswerks der Gemeinde Gottes angegliedert.

Laut Gesetz hat jeder Mensch das Recht, einmal im Leben eine kostenlose Sterbebegleitung in Anspruch zu nehmen. Nach einer Heilung könne dies also kein zweites Mal geschehen, sagt Fülling.

Wichtig sei, sagt Hochschorner, dass Angehörige, Ärzte und Krankenschwestern die Sterbebegleitung anböten. HINTERGRUND, KOMMENTAR

Von Damai D. Dewert

Quelle: HNA

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