Der Weg zum Sterben: Neuer Hospizdienst im Chattengau

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Zeit zum Abschalten: Helga Haase betreut und begleitet Menschen, die im Sterben liegen. Zwischen den Fällen braucht sie Zeit für sich und zum Abschalten.

Gudensberg. Acht Menschen haben die Betreuer des Hospizdienstes Chattengau bisher beim Sterben begleitet. Eine schwere Aufgabe für die Ehrenamtlichen, die sich freiwillig mit dem Leiden und Abschied nehmen anderer Menschen auseinandersetzen.

Ursula Fülling

Eine von ihnen ist Helga Haase. Die 66-Jährige aus Gleichen hat selbst bereits viel Leid ertragen müssen. Früh hat sie ihren Mann verloren und andere nahe Angehörige. „Hospizarbeit darf aber nie aus dem Ansporn erfolgen, seine eigene Trauer aufzuarbeiten“, sagt Ursula Fülling.

Hospizdienst steht am Anfang

Sie ist die Koordinatorin des Hospizdienstes im Chattengau des Sozialdienstes des Missionswerkes der Gemeinde Gottes. Ein sperriger Titel für eine sehr zugängliche Frau. Ursula Fülling ist Ansprechpartnerin für die Ehrenamtlichen und sie baut den Hospizdienst derzeit auf.

„Hospizarbeit darf aber nie aus dem Ansporn erfolgen, seine eigene Trauer aufzuarbeiten.“

„Wir stehen noch ganz am Anfang, vieles müssen wir auch erst lernen“, sagt sie. Menschen wie Helga Haase seien dabei eine große Hilfe. „Tod und Krankheit sind sicher furchtbar, aber ich gewinne eine andere Sicht aufs Leben und bekomme einen Tiefgang, den ich sonst nicht hätte“, sagte Helga Haase. Zum Leben gehöre eben auch das Leid. Und ihr Schmerz solle nicht umsonst gewesen sein.

Einen Menschen betreute Helga Haase bisher, aber sie sei eher eine Hilfe für dessen Frau gewesen. Denn auch die Trauerarbeit mit den Angehörigen gehören zu den Aufgaben, die der Hospizdienst übernimmt. „Wir kümmern uns auch mal um den Haushalt und begleiten Angehörige bei Behördengängen“, sagt Ursula Fülling. Es sei wichtig, einfach da zu sein, für die Menschen mit ihrer Angst, ihrer Einsamkeit und ihrem Schmerz. Für die Lebenden und für die Sterbenden.

„Das Leben ist nicht ungerecht. Manche empfinden es aber so“, sagt Helga Haase. Sie sei fest im Glauben und schöpfe so Kraft für ihre Arbeit. Hospizdienst bedeute, sich auf die Menschen einzulassen: konfessionsübergreifend, unvoreingenommen und allem gegenüber offen. Helga Haase hofft indes, sich künftig von ihren Patienten verabschieden zu können. Jüngst war ihr dies nicht möglich. Der Mann starb ohne sie im Krankenhaus. 

Hintergrund

18 Ehrenamtliche arbeiten derzeit für den Hospizdienst, der zum Sozialdienstes des Missionswerkes der Gemeinde Gottes gehört. Betreut werden Menschen in Gudensberg, Edermünde und Niedenstein. Jeder Mensch hat ein Recht auf eine kostenlose Sterbebegleitung – wie lange diese auch dauert.

Kontakt: 05603/93456  

Quelle: HNA

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