Den Sternen ganz nah

Sterne zum Greifen nah: Ralf Gerstheimer betreibt in seinem Garten eine kleine Sternwarte. Kernstück ist das Spiegelfernrohr Celestron C14. Foto: zhf

Das Thema In unserer Adventsserie widmen wir uns täglich einem Stichwort aus der Weihnachtsgeschichte. Heute geht es um den Stern, der einst am Himmel über Bethlehem stand. Sterne beobachtet auch Ralf Gerstheimer.

Dörnberg. Wenn er heute in einer klaren Nacht den Sternenhimmel über dem Wolfhager Land betrachtet, verliert er sich nur noch selten in den unendlichen Weiten des Kosmos. Ralf Gerstheimer kennt sich aus mit den Gestirnen, zu denen er längst ein eher pragmatisches Verhältnis pflegt. Gibt es etwas Spannendes zu beobachten? Einen Kometen vielleicht, eine außergewöhnliche Konstellation oder einen besonderen Planeten? Antworten findet er im heimischen Garten in Dörnberg, wo der 52-Jährige eine kleine Sternwarte betreibt.

Mit der hat er sich einen Kindheitswunsch erfüllt, schon im Grundschulalter hat er sich für die Astronomie interessiert. „Damals war sie noch viel geheimnisvoller als heute, die Vorstellung von schwarzen Löchern war so exotisch, dass sie nicht einmal in Science-Fiction-Romanen vorkam“, erinnert sich Gerstheimer. Als Schlüsselerlebnis, das seine Begeisterung für das nicht alltägliche Hobby geweckt hat, beschreibt der heutige Familienvater jenen Moment, in dem er zum ersten Mal den Saturn gesehen hat. Sechs oder sieben Jahre war er alt, sein Bruder hatte ein Teleskop geschenkt bekommen. „Ich konnte kaum glauben, dass man ihn wirklich sehen kann, und auch heute noch fesselt mich der Herr der Ringe.“

Ausbruch von Sonnenmaterie

Es sind vor allem die Objekte des Sonnensystems, die auf ihn den größten Reiz ausüben. Allen voran die Sonne, deren ungeheure Dynamik und Veränderlichkeit auf der Oberfläche ihn immer wieder aufs Neue faszinieren. Sie war es auch, die ihm einen der großartigsten Momente seiner Karriere als Amateurastronom beschert hat. „Vor einigen Jahren ist es mir gelungen, einen Ausbruch von Sonnenmaterie direkt im Teleskop zu beobachten und fotografisch festzuhalten“, so Gerstheimer.

„Etwa 30 Stunden hatten die herausgeschleuderten Sonnenpartikel die Entfernung von 150 Millionen Kilometern bis zur Erde zurückgelegt, um hier für Polarlichterscheinungen zu sorgen.“ Es sei der direkte Bezug zwischen einem sehr weit entfernt stattfindenden Ereignis und seinen Auswirkungen in seiner unmittelbaren Umgebung gewesen, die ihn so fasziniert hätten. Selbstverständlich seien diese Beobachtungen hierzulande allerdings nicht. „Die Witterungsverhältnisse in der Mitte Deutschlands lassen nur relativ wenige Beobachtungsnächte zu“, sagt der Biologe. „Der Himmel über dem Altkreis, der nach Westen und Norden hin wenig von Lichtverschmutzung beeinträchtigt ist, bietet dennoch Sehenswertes, viele Besucher meiner Sternwarte staunen, wie hell die Milchstraße von hier zu sehen ist.“

Zum Ende des Jahres habe der Himmel über der Region noch etwas Besonderes zu bieten. „Der Komet Lovejoy ist zwar nicht sehr hell, wird aber in einer mondlosen Nacht mit bloßem Auge als diffuser Fleck erkennbar sein“, sagt er. Und wer ihn durchs Fernglas beobachtet, könne mit etwas Glück den kurzen Schweif erkennen – fast so, wie beim Weihnachtsstern. Informationen: www.sternwarte-habichtswald.de.

Quelle: HNA

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