Steve Lange will Industriemechaniker werden

Umschulung als Alleinerziehender

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Blickt in eine hoffnungsvolle Zukunft: Steve Lange lernt die Bedienung einer Universalfräßmaschine im Bildungszentrum.

Habichtswald/Kassel. Der 1. Juni war ein wichtiger Tag in Steve Langes Leben. Ab diesem Tag hatte er das Sorgerecht für seine beiden Töchter aus einer frühreren Beziehung. Gleichzeitig war Lange ab diesem Tag arbeitlos.

Drei Besuche auf dem Arbeitsamt und einige Anträge später stand schnell fest: Der gelernte Straßenwärter macht beim Kasseler Bildungszentrum (BZ) eine Umschulung zum Industriemechaniker. Seine Arbeitslosigkeit dauert gerade einmal einen Monat.

Jetzt gilt es für Lange, Arbeit und die Erziehung der Kinder zu kombinieren. Ein geschicktes Zeitmanagement ist dafür unabdingbar. Hilfreich sind da kulante Ausbildungsleiter und Berufsschullehrer. Und die unterstützen Lange, so gut es möglich ist.

Morgens beginnt er seine Arbeit eine halbe Stunde nach seinen Kollegen, damit er seine Töchter noch in den Ehlener Kindergarten bringen kann. „Diese Zeit muss ich dann natürlich im Verlauf des Tages wieder aufholen“, sagt er. Die Motivation ist groß.

„Das ist bei Alleinerziehenden häufig so“, sagt Thomas Altmann. Er ist Ausbilder im BZ und lernt Lange in der Bedienung von Werkzeug und Maschine an. „Die Prüfungsergebnisse sind durchweg besser, als die der anderen. Die Verantwortung ist größer, die Leute wissen, wofür sie den Aufwand betreiben.“

Ende Mai war Steve Langes zweijährige Tätigkeit im Rewe-Zentrallager in Breuna beendet. Dreimal wurde dort sein Halbjahresvertrag verlängert. Ein Festvertrag wurde ihm nicht angeboten. Zuvor war er unter anderem als Fernfahrer tätig. 20 bis 30 Stunden habe er da mitunter am Steuer sitzen müssen. „Purer Stress. Und nicht erlaubt“, sagt Lange heute. Er passte sich an, um nicht ohne Einkommen dazustehen.

Bei der Arbeitsagentur in Kassel wurde Lange eine Umschulung empfohlen. Mit der richtigen Einschätzung der Mitarbeiterin. Diese habe sofort festgestellt, dass ein Beruf im Verkauf nicht das Richtige für Lange sei. „Aber Mechaniker, sowas produktives, handwerkliches, das liegt mir“, sagt er.

Für die Zukunft hofft Lange bei einem Betrieb unterzukommen, der spätere Anfangszeiten toleriert. Das Stellenangebot in Kassel betrachtet er optimistisch: „Dort gibt es im Industriebereich ja recht viele Unternehmen.“

Neben Arbeit und Kindererziehung befindet Steve Lange sich derzeit noch im Umzugsstress.

Mit seiner neuen Lebensgefährtin und den beiden Töchtern, der vierjährigen Delila und der sechsjährigen Anna, will er in ein kleines Häuschen in der Habichtswalder Nachbarschaft ziehen.

Von Lasse Deppe

Quelle: HNA

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