Stiefel flog im Streit

28-Jähriger Vater wegen Körperverletzung zu Geldstrafe verurteilt

Treysa. Streitigkeiten um die Kindeserziehung führten dazu, dass sich ein 28-Jähriger aus dem Schwalm-Eder-Kreis wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht Treysa verantworten musste. Er hatte einen Kinderstiefel nach der Mutter seiner Tochter geworfen und sie dabei am Auge verletzt.

Im Januar hatte der Vater seine damals knapp dreijährige Tochter zu einem gemeinsamen Wochenende abholen wollen.

Die Situation zwischen ihm und der Mutter des Kindes sei seit der Trennung schwierig, berichtete der Angeklagte. Für gewöhnlich sei das Mädchen bei seinem Eintreffen bereits fertig angezogen, nicht jedoch an diesem Abend. Er habe demnach im Wohnzimmer gewartet, während die Mutter die gemeinsame Tochter anzog. Dabei seien die Eltern in einen Streit geraten. Dieser endete laut Anklageschrift damit, dass der Angeklagte der auf dem Boden sitzenden Mutter des Kindes einen Kinderstiefel ins Gesicht warf. Ein kurz darauf eingeholtes ärztliches Attest bescheinigte ihr eine Verletzung am linken Auge. „Ich habe wochenlang Schmerzen gehabt“, sagte die Frau, die vor Gericht als Nebenklägerin auftrat. Bleibende Schäden trug sie jedoch nicht davon.

Unschuld beteuert

Der Angeklagte beteuerte seine Unschuld. Er habe die Mutter seines Kindes weder vorsätzlich noch versehentlich verletzt. Er glaube, sie wolle ihm mit der Anschuldigung nur schaden. Er habe schon sehr lange Ärger mit ihr, inbesondere in Bezug auf die Ausgestaltung des Umgangsrechts. Die neue Lebensgefährtin des Mannes wurde als Zeugin vernommen. Sie konnte jedoch nur angeben, einen Streit gehört zu haben, während sie im Hausflur auf Vater und Tochter gewartet habe.

Demzufolge hatte nur die Tochter den Vorfall beobachtet. Von Seiten der Nebenklägerin wurde in Erwägung gezogen, das kleine Mädchen ebenfalls als Zeugin vernehmen zu lassen.

Die Mutter, die das alleinige Sorgerecht hat, entschied sich jedoch dagegen: „Ich will das Vater-Tochter-Verhältnis nicht zerstören und meine Tochter schützen“, sagte sie. Einer Einstellung des Verfahrens stimmte sie allerdings nicht zu. Der Anwalt des Angeklagten wollte einen Freispruch für seinen Mandanten erreichen.

Es seien zwei unterschiedliche Geschehensabläufe geschildert worden, das Verhältnis der Parteien sei äußerst angespannt. Hätte sein Mandant den Stiefel vorsätzlich geworfen, hätte er auch seine Tochter treffen können, die auf dem Schoß der Mutter saß. Dieses Risiko wäre er nicht eingegangen. „Im Zweifel ist für den Angeklagten zu entscheiden“, sagte der Verteidiger.

Auf Grundlage des Attestes verurteilte der Richter den Angeklagten wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe in Höhe von 500 Euro. Der Vater habe sich im Streit zumindest unachtsam verhalten, auch wenn keine schweren oder andauernden Folgen eingetreten seien, begründete er das Urteil.

Von Selina Merle

Quelle: HNA

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