In Fritzlar endet eine lange Tradition

Stille im Kloster

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Im Inneren des Ursulinenklosters: Mit dem Tod von Schwester Maria Magdalena Libera hat der Fritzlarer Ursulinenkonvent seine letzte Schwester verloren. Das Archivbild zeigt den Flur der Klausur, in der die Nonnen früher lebten.

Fritzlar. Als Schwester Ingeborg Wirz, Oberin der deutschsprachigen Ursulinen, gestern nach Fritzlar kam, bedeutete das für sie einen doppelten Abschied. Schwester Maria Magdalena Libera, die letzte Ursuline Fritzlars, wurde beerdigt. Und mit ihr endet auch die mehr als 300-jährige Tradition des Ursulinenkonvents in der Domstadt.

„Für uns Ursulinen ist es ein einschneidendes Ereignis“, sagte die Oberin über die historische Zäsur. Die verstorbene Nonne habe sie als Frau mit viel Humor, einer verschmitzten Sicht auf die Welt und als jemand erlebt, der sich immer ein eigenes Urteil bildete.

Die Oberin wird sich nun auch darum kümmern müssen, was aus den Klosterräumen wird. Die Fritzlarer Schwestern hätten schon vor Jahren verfügt, was daraus wird. Dieses Testament müsse nun eröffnet werden, dann werde es sicherlich Gespräche mit der Schule und mit dem Bistum Fulda als Schulträger geben. Die Schule nutzt jetzt schon große Teile des Klostergebäudes und es gebe sicher Bedarf an weiteren Räumen.

Unstrittig ist, dass der Name Ursulinenschule bleibt, auch wenn der Konvent nicht mehr exisitiert. Das sei bereits im Jahr 1985 festgelegt worden, sagt Schwester Ingeborg.

Der Kontakt zwischen dem Orden und der Schule werde sicher erhalten bleiben, und die Tradition werde in Fritzlar gepflegt: „Das Vermächtnis der Ursulinen wird hier in Ehren gehalten, das ist sehr beeindruckend.“

Chance für die Kirche

Die Ursulinen verstehen sich traditionell als Lehrorden, so war auch die verstorbene Schwester als Lehrerin tätig. In den konfessionellen Schulen sieht die Oberin eine große Chance für die Kirche.

Jugendliche erlebten die Kirche kaum noch in den traditionellen Gemeinden und fühlten sich dort oft nicht richtig zuhause. Die Schulen dagegen könnten „ein Ort der Beheimatung“ in der Kirche sein. In Fritzlar werde das gelebt, und auch dem Bistum sei das klar, was siech auch an den großen Investitionen in die Schule zeige. Die Schulseelsorger seien nah dran an der Lebenswirklichkeit der Schüler und ihrer Familien.

Als Körperschaft des öffentlichen Rechts bleibt der Konvent auf dem Papier noch 99 Jahre bestehen. Doch mit dem Tod von Schwester Maria Magdalena endet auch die 202 Jahre alte Tradition der Fritzlarer Ursulinen.

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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