Walter Gipper erinnert an über 100 Jahre Geschichte des Landwirtschaftsamtes

Schwalmstadt. Sang- und klanglos verließ Ziegenhain eine Institution, um die es nach Ansicht von Walter Gipper (Gilserberg-Bellnhausen) sehr schade ist.

Der Vorsitzende des Vereins für Landwirtschaftliche Fortbildung (VLF) hat unter der Überschrift „Ein Amt verschwindet“ eine kleine Chronik (siehe unten) über die Außenstelle des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen verfasst und sie im Gespräch mit unserer Zeitung vorgestellt.

Für den 64-jährigen Landwirtschaftsmeister Gipper ist jedenfalls mit dem Verlöschen des letzten Lichts im Ziegenhainer Steinweg eine erfolgreiche Geschichte zu Ende gegangen. Besonders schade nennt es der VLF-Vorsitzende, dass die unabhängige Beratung für Landwirte zu den Bereichen Tiere, Land und Betriebsführung nicht länger in der Festungsstadt geboten werde.

Bedauerlich sei der Umzug nach Alsfeld und Fritzlar auch für seinen Verein mit 400 Mitgliedern, da er jetzt räumlich heimatlos sei und einen zentralen, gut erreichbaren Standort verloren habe. Hessenweit zählt der VLF 15 000 Mitglieder. Nicht alle Landwirte hätten das Aus bereits registriert, und zum Beispiel als Annahmestelle für Bodenproben sei das Haus eine wesentliche Anlaufstelle für seinen Berufsstand gewesen. „Die Landwirte in der Schwalm wurden von der Schließung überrascht, viele hatten dies in der arbeitsintensiven Herbstzeit nicht mitbekommen“, so Gipper.

Eigentümer des Gebäudes ist der Landkreis, der es Schwalmstadt in Erbbaurecht überlassen hat. Zur Nutzung großer Teile des rechten Flügels gibt es noch keine Beschlüsse, beim Kreis existieren Überlegungen, dort ein Familienzentrum mit Elternschule zu gründen. Im linken Gebäudeteil befindet sich seit Ostern 2010 eine Kindertagesstätte. (aqu)

Chronik: Die Geschichte begann vor über 100 Jahren

Die Geschichte des Amtes hatte 1907 begonnen. In den ersten 50 Jahren residierte das Amt in der Hessenallee in Ziegenhain (später war dort die Polizei, heute ist eine Musikschule in dem Gebäude zu finden). 1957 entstand der Neubau im Steinweg (Foto oben). 1978, nach der Bildung des Amtes für Landwirtschaft und Landentwicklung in Fritzlar, wurde es Außenstelle. 1981 wurde die letzte Klasse der Hauswirtschaftsschule mit Internat verabschiedet, 1988 die letzte Klasse der Landwirtschaftsschule. Von den 60er-Jahren bis 2006 fand dort Ausbildungsberatung statt und es war ein Prüfungsstandort. 1993 bis 2006 war das Amt Prüfungsstandort für hauswirtschaftliche Berufe für den Schwalm-Eder-Kreis, die Kreise Kassel, Stadt und Land, Waldeck-Frankenberg und Eschwege. Bis 2006 existierte noch eine Hauswirtschaftsschule – als einzige in Hessen. Zum 30. September 2010 wurden die letzten Mitarbeiter nach Fritzlar, Alsfeld und anderswohin versetzt.

Quelle: HNA

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