Stipendiat Max Hänisch zeigt in Willingshausen eine aufreizend spartanische Ausstellung in der Kunsthalle

Erläuterungsbedarf: Von links Willingshausens Bürgermeister Heinrich Vesper, Laudator Bernhard Balkenhol, Max Hänisch und Kunststudenten in der bewusst irritierend kargen Ausstellung. Foto: Regina Ziegler-Dörhöfer

Willingshausen. „Das ist aber überschaubar“, so eine spontane Publikumsreaktion beim Betreten der Ausstellung „Vernacular Ambition“ des Stipendiaten Max Hänisch am Freitagabend.

Auch Bürgermeister Heinrich Vesper kommentierte mit „Mir fehlen die Worte“, als er auf die fast nackt gebliebenen weißen Wände und die drei in der Mitte der Kunsthalle gehängten Installationen blickte. Lediglich ein Graffito mit den Worten „By fair means“ (englisch, übersetzt in etwa: unter fairen Bedingungen) und zwei Himmelsfotografien fanden Platz an den Wänden.

Max Hänisch nutzte den Raum dazwischen, legte zwei Steine mit den Aufschriften „In corpore sano“ und „Mens insana“ als Etappen zwischen die hängenden Kletteraufnahmen. Von der außergewöhnlichen, spartanischen Installation überrascht, erwarteten die Rund 60 Kunstfreunde der Vernissage umso gespannter die erklärenden Worte von Laudator Bernhard Balkenhol.

Dieser machte es jedoch spannend und verkündete zunächst die am Nachmittag frisch gekürten neuen Stipendiaten des Jahres 2019. So entschied sich die Jury für Daniel von Bothmer und Emilia Neumann als neue Stipendiumsträger. Benjamin Loch sei als eventueller Nachrückkandidat auserkoren. „Bei unserer Auswahl geht es nie darum, ob jemand gut malen kann oder nicht. Wir wählen junge Künstler, die noch am Anfang ihrer Karriere mehr Fragen als Antworten haben, die in der dreimonatigen Willingshäuser Klausur ein Stück Wegs zu sich selbst finden“, so Bernhard Balkenhol.

Max Hänisch hat diese Zeit der Klausur hinter sich, nutzte das zur Verfügung gestellte Atelier, die Wohnung im „Hirtenhaus“ und begab sich in der ländlichen Idylle auf die Suche nach fotografischen Widersprüchen. Hänisch suchte nicht das perfekt inszenierte Bild, sondern das „unbemerkt Bemerkenswerte“. Das, was zum Vorschein kommt, was sich beim unkonventionellen „Draufhalten“ ergibt.

„Wir wählen junge Künstler, die in der dreimonatigen Willingshäuser Klausur ein Stück Wegs zu sich selbst finden.“

Bernhard Balkenhol

Die Ausstellung des Grafikdesigners lebe daher auch von der Anordnung der Bilder, die streng genommen gar keine Bilder seien, seien sie doch auf fast transparentem Material gedruckt und stellten das Inhaltliche in den Mittelpunkt. Die beiden lateinischen Steininschriften formulierten die Suche nach dem Gleichgewicht zwischen Körper und Geist, fragten nach dem „Was ist in mir drin?“. „Hänisch hat keinen Showroom, sondern einen Denkraum geschaffen“, sagte Bernhard Balkenhol. So fanden die Ausstellungsbesucher auch einen Zugang zu den Minipolaroids im Hausflur der Kunsthalle. Hänisch hatte jeweils zwei kleine „Schnappschüsse“ aus der ländlichen Idylle mit spontan gefundenem Gegensätzlichen gepaart. So findet sich eine Heuwenderaufnahme neben den Resten eines fast abgerissenen Aufklebers auf einem Zigarettenautomaten, der nur noch die Buchstaben AfD zeigt.

„Das Stipendium ist für Künstler, die zu sich kommen, wahrnehmen und handeln. Das ist das, was unsere Gesellschaft braucht“, schloss Bernhard Balkenhol seine Laudatio.

Quelle: HNA

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