Schwalm-Eder: Stipendien für Ärzte im Kreistag strittig

Schwalm-Eder. Von derzeit 120 niedergelassenen Hausärzten im Landkreis werden in zehn Jahren voraussichtlich nur noch 70 praktizieren.

Vor diesem Hintergrund diskutierte der Kreistag in Borken teilweise hitzig über einen Antrag der CDU-Fraktion, die unter anderem prüfen lassen will, ob studienbegleitende Stipendien ein Anreiz sein könnten, junge Mediziner für eine Tätigkeit auf dem Lande zu bewegen.

Letztlich einstimmig entschied das Parlament, das Thema, das auch die AfD in einem Antrag aufgegriffen hatte, im Sozialausschuss und in der Gesundheitskonferenz Schwalm-Eder weiter zu behandeln. Im Kreis Waldeck Frankenberg gebe es eine ausgezeichnete Internetseite („Landarzt werden“), die angehenden Medizinern das Leben als Hausarzt schmackhaft mache. In Oberhessen würden erfolgreich Stipendien an studierende Mediziner vergeben, erklärte Jörg Schnitzerling (CDU).

Ein Stipendium von 400 Euro pro Monat ab dem 5. Semester wäre denkbar. Im Vogelsbergkreis habe man damit gute Erfahrungen gemacht, sagte der Melsunger Mediziner Dr. Volker Iber (AfD). Dort müssten sich die Stipendiaten verpflichten, später drei Jahre als Hausärzte zu arbeiten. Allerdings gab es im Kreistag auch skeptische Töne.

Die berufliche und private Lebensplanung eines jungen Menschen könne sich noch grundlegend ändern, und wer entscheide letztlich, wo der Mediziner arbeite, fragte etwa der Erste Kreisbeigeordnete Jürgen Kaufmann (SPD). Es seien vielmehr individuelle Konzepte erforderlich, etwa mit Medizinischen Versorgungszentren. Dass Geld nicht allein Anreiz sein könne, meinten Sprecher von SPD und FWG.

Für die FDP ist die Kassenärztliche Vereinigung bei der Besetzung der Stellen entscheidend. Aus Sicht von Grünen und Linken sollten die Vorschläge geprüft werden, denn in Sachen Ärzteversorgung müsse etwas passieren.

Die Vorschläge zur Verbesserung der medizinischen Versorgung im Schwalm-Eder-Kreis sollen auch in der Regionalen Gesundheitskonferenz weiterbehandelt werden.

In dieser Runde tauschten sich bisher mehrfach im Jahr Vertreter der niedergelassenen Ärzte, der Krankenhäuser, der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) und von Einrichtungen wie Hephata sowie die Kreistagsfraktionen aus. Dieses Gremium werde sich auch in der neuen Legislaturperiode wieder regelmäßig treffen, kündigte der Erste Kreisbeigeordnete Jürgen Kaufmann an. Wichtiger Gesprächspartner ist die KV, die allein für die Sicherstellung der medizinischen Versorgung zuständig ist.

Quelle: HNA

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