Tag des offenen Denkmals

Zeche Heiligenberg: Stollen lockte die Menschen

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Erläuterten die Zechen-Geschichte: von links Rolf Fröhlich, Fritz Strack und Klaus Winter.

Felsberg. Hunderte von Menschen nutzten am Sonntag den Denkmaltag, um sich im Kreisteil Melsungen historische Anlagen anzuschauen - wir waren in der Zeche Heiligenberg dabei.

Erfolg für den Heiligenbergverein Gensungen, das Stadtarchiv und den Burgverein Felsberg: Über 150 Besucher kamen am Tag des offenen Denkmals an den ehemaligen Stolleneingang der Zeche Heiligenberg nahe der Kartause und auf die Felsburg.

Zum Motto „Handwerk, Technik, Industrie im Denkmal“ gab es viele Informationen. So schaffte etwa ein Bergmann der Zeche Heiligenberg am Tag eine Spitzenleistung von 40 Hunten Braunkohle. Hunt nennt der Bergmann die Waggons, mit denen das braune Gold einst unter dem Heiligenberg transportiert wurde. Jeder Hund fasste etwa einen halben Kubikmeter Kohle.

Nach genau 399 Jahren wurde der Bergbau in Gensungen 1953 eingestellt, weil die Zeche nicht mehr rentabel war. Der ehemalige Oscar-Stollen ist benannt nach Oscar Robert Henschel, dem letzten Chef des Kasseler Familienunternehmens. Es war Eigentümer der Zeche. Der Stolleneingang nahe der ehemaligen Zechen-Verwaltung steht seit Jahren unter Wasser, ist unzugänglich und verfällt immer mehr. Das Archiv pflegt die Tradition der Zeche. Mehrere hundert Interessenten waren zum Jahresbeginn gekommen, als Klaus Winter, Rolf Fröhlich und Mirco Hansmann im Archiv das Ergebnis ihrer jahrelangen Forschungen präsentierten. Am Sonntag gaben sie ihr Wissen weiter.

„Als ich fünf Jahre alt war, bin ich mit meinem Opa Karl Günther in den Stollen eingefahren“, sagte Reni Ingrisch (71). Der Opa setzte sie in einen Hunt, „und mir war unheimlich“. Ihr Mann Reinhold (76) arbeitete über 40 Jahre beim Bauunternehmen Johannes Fröhlich und half Anfang der 1960er-Jahre an der Mittelhöfer Straße beim Abbruch der alten Verladestation. Dort, wo Fröhlich später seinen Stammsitz hatte, wurde die Braunkohle auf die Bahn verladen. Sie kam mit einer Seilbahn in die Station.

Zeche lockte die Menschen

Auch die Felsburg war offen für Besucher. Dort investierte das Land Hessen 2,5 Millionen Euro in die Sanierung des Bauwerks. Über ein Dutzend Baufirmen aus ganz Deutschland arbeiteten daran 18 Jahre lang. Beim Denkmaltag wurde einmal mehr gefragt, warum der Turm verputzt ist. Die von den Denkmalpflegern gewählte Farbe - die des beim Bau verwendeten Kalkmörtels - ist nicht jedermanns Geschmack. Im Putz sehen die Fachleute den besten Schutz vor Umwelteinflüssen. Das Mauerwerk war unter anderem durch Schwefel stark geschädigt. Auf das Verputzen und die Farbe hatte der Burgverein - seit 1885 Partner des Staates - keinen Einfluss. Er hofft, dass der Bergfried für die nächsten 100 Jahre gesichert ist, hieß es.

Quelle: HNA

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