Fußball-Erinnerungen: Siegfried Weitzendorf ist seit 55 Jahren beim FSV

Stollenschuhe von der Oma

Ein Stück Vereinsgeschichte: Beim Ü60-Treffen des FSV Wolfhagen wurde die gute, alte Fußballzeit wieder lebendig. Foto: zih

Wolfhagen. Die gute, alte Fußballzeit wurde in Geschichten, Episoden und Anekdoten wieder zum Leben erweckt. Beim traditionellen Ü60-Treffen des Fußballsportvereins (FSV) Rot-Weiß Wolfhagen im Vereinsheim Liemeckestadion. Rund 30 Senioren waren gekommen, die in den Wiederaufbaujahren nach dem Zweiten Weltkrieg ein wesentliches Stück Vereins- und Sportgeschichte mitgeschrieben und geprägt haben.

Unter ihnen der heute 71-jährige Siegfried Weitzendorf, allgemein nur Beppo genannt. Zusammen mit seiner Familie war er im August 1956 als 15-Jähriger aus der Nähe von Magdeburg in der früheren DDR in seine neue Heimat Wolfhagen gekommen. Er lernte hier den Beruf Bauschlosser und wurde Mitglied im FSV. Für den er ab dem 10. August 1957 mit Pass-Nummer 60623 des Hessischen Fußball-Verbandes in der A-Jugend spielberechtigt war. Mit negativem Einstand auf der Position des Außenläufers. Denn in seinem ersten Pflichtspiel gegen den ewigen Dauerrivalen Volkmarsen gab es eine 1:9-Packung. Vielleicht lag es, so erinnert er sich heute schmunzelnd, mit an der Ausstattung. Seine ersten Fußballschuhe bekam er von einem älteren Vereinsmitglied geschenkt, „das waren noch richtige Treter mit aufgenagelten Lederstollen, die nach jeder Begegnung erneuert werden mussten.“ Zwei Jahre später jedoch konnte Beppo, inzwischen auf der Liberoposition, mit seinen Mannschaftskameraden den Gewinn der Kreismeisterschaft feiern. Diesmal in neuen Schuhen mit Schraubstollen, die er von seiner Oma geschenkt bekam.

45 Mark für Schuhe

„45 Mark haben die damals gekostet, das entsprach etwa der Hälfte eines durchschnittlichen Handwerker-Monatslohns.“ Apropos Geld: „Da waren wir alle immer sehr knapp. Zu Auswärtsspielen nach Volkmarsen, Oberelsungen oder Zierenberg fuhren wir mit einer Gruppenkarte mit der Eisenbahn. Ansonsten war das Fahrrad Transportmittel, manchmal auch der Bus. Nach dem Spiel, egal ob gewonnen oder verloren, legten wir alle zusammen und genehmigten uns einen mit Bier gefüllten Stiefel.“

Mit 18 wechselte er in das erste FSV-Seniorenteam, durfte noch eine Halbserie mit dem legendären Sepp Träger spielen. Zwischenzeitlich hängte er aus beruflichen Gründen die Schuhe an den Nagel, weil er er eine Ausbildung zum Techniker in der Abendschule aufnahm und ein Jahr lang eine Arbeitsstelle in Mainz hatte. Zurück in Wolfhagen trug Siegfried Weitzendorf bis 1988 bei den Senioren und Alten Herren bis zu seinem 47. Lebensjahr wieder das FSV-Trikot. Er engagierte sich zudem auch als Funktionär in den Ehrenämtern Spartenleiter, Jugendbetreuer, Trainer der Damenmannschaft sowie zehn Jahre als stellvertretender Vereinsvorsitzender.

12 Jahre Kreisjugendwart

Darüber hinaus war er von 1970 bis 1982 Kreisjugendwart sowie zweiter Vorsitzender im Sportkreis Wolfhagen. Heute ist er Mitglied im FSV-Ehren- und Ältestenrat. (zih)

Quelle: HNA

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