Anwalt von Bergmanns-Witwe sieht positives Zeichen

Stolzenbach: Gutachter rollt Bergbau-Unglück neu auf

Borken/Kassel. Ein Experte soll klären, ob das verheerende Unglück in der Braunkohlegrube in Borken-Stolzenbach im Juni 1988 vermeidbar war.

Wenn das Gutachten vorliegt, werde es vermutlich zu einer mündlichen Verhandlung vor dem Landgericht in Kassel kommen, sagte Sven Schoeller auf Anfrage der HNA.

Der Kasseler Rechtsanwalt vertritt Elke Hergenröder aus Borken, deren Mann bei dem Unglück ums Leben gekommen war. Die Witwe hatte den Konzern Eon und den damaligen Leiter der Grube Stolzenbach auf Schadenersatz verklagt. Eon ist Rechtsnachfolger der Preußen Elektra, die das Bergwerk betrieben hatte. Das Gericht habe das Gutachten bei einem Wissenschaftler in Auftrag gegeben, der sich mit Explosionen im Braunkohle-Bergbau gut auskenne, sagte Schoeller. Der Rechtsanwalt sieht diesen Schritt als positives Zeichen. Aus seiner Sicht seien im Verfahren drei Hürden zu überwinden gewesen.

So habe zunächst festgestellt werden müssen, dass die Vorwürfe noch nicht verjährt sind - das hat das Gericht bestätigt. Dann habe nachgewiesen werden müssen, dass die Witwe durch den Tod ihres Mannes gesundheitlich beeinträchtigt sei. Das habe ein entsprechendes Gutachten ergeben. Der dritte Schritt ist nun die Untersuchung durch den Experten.

„Es muss bewertet werden, ob die Explosion aus Sicht der Betreiber der Grube vermeidbar gewesen ist“, erläuterte Schoeller. Der Anwalt und seine Mandantin sind davon überzeugt. Der Wissenschaftler müsse die gesamten Akten des damaligen Strafverfahrens um das Stolzenbach-Unglück erneut durcharbeiten und weitere Erkenntnisse einbeziehen.

Schoeller rechnet damit, dass das Gutachten frühestens im März vorliegen könnte. Das Gerichtsverfahren um das Unglück zieht sich nun bereits seit Sommer 2010 hin.

Das Unglück von Borken-Stolzenbach ereignete sich am 1. Juni 1988. Um 12.37 Uhr erschütterte eine gewaltige Explosion die Braunkohle-Grube. 51 Bergleute kamen dabei ums Leben. Sechs Kumpel wurden nach vier Tagen aus der Tiefe gerettet. Die Grube wurde nie wieder geöffnet, während der Tagebau noch einige Zeit weiter lief.

Reporter des Hessischen Rundfunks hatten Dokumente entdeckt, die nahelegten, dass die Gefahr durch den Kohlestaub bekannt war. Außerdem hatte es bereits 1934 eine Braunkohle-Explosion in Böhmen gegeben, über die auch deutschsprachige Zeitungen berichtet hatten, ergaben HNA-Recherchen.

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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