Die Wippersteine werden Teil eines Natur- und Kulturlandschaftspfades

Stonehenge der Schwalm

Heinrich Keller

Merzhausen. Sonnenlicht bricht verhalten durch die dichten Baumkronen, die Strahlen lenken den Blick auf eine besondere Felsformation: Für den ehemaligen Pfarrer Heinz Metz, der jahrzehntelang in der Schwalm amtierte, war der Waldrand an den Wippersteinen zwischen Merzhausen Holzburg einer der schönsten Plätze in der Region. Und auch heute noch nimmt der Platz mit dem in der Schwalm einmaligen Kulturdenkmal den Besucher auf ganz besondere Weise gefangen.

Als Teil eines beschilderten Natur- und Kulturlandschaftspfades wollen die Merzhäuser die außergewöhnliche Steinformation, die als archäologischer Fundort sowie historischer Versammlungsplatz in die hessische Geschichte eingegangen ist, wieder mehr in den Fokus rücken, erklärt Heinrich Keller vom Verbund der Dorfgemeinschaft Merzhausen. Denn bereits 2003 bescheinigte die Denkmalpflege den grauen Riesen, kulturell wertvoll zu sein und ernannte die Felsenbrocken offiziell zum Kulturdenkmal. Die Tatsache, dass diese außergewöhnliche Gesteinsformation, zudem auf einer das Ziegenhainer Becken weithin beherrschenden Höhe gelegen, in früh- beziehungsweise hochmittelalterlichen Quellen als bekannte Land- oder Grenzmarke genannt und später als Versammlungsstätte im Zuge historischer Ereignis überliefert sei, rechtfertige dies, hieß es damals von der Denkmalpflege.

Auch wenn eine Grabanlage direkt an dieser Stelle nicht belegt ist, könnte man die Wippersteine fast als das Stonehenge der Schwalm bezeichen. Nicht nur der Name deutet darauf hin, das einer der Steine als sogenannter Wippstein instabil auf einen weiteren aufgelegt wurde. Auch fanden Archäologen an dem größten Stein sehr alte Blutspuren. Sie deuten daraufhin, dass die Wippersteine als vorchristliche Opferstätte benutzt wurden, erzählt Frank Schnücker vom Merzhäuser Ortsbeirat.

Das Mysthische und Sagenhafte dieses Plätzchen bildete auch die Basis für einen weiteren historisch bedeutsamen Aspekt: Die Bewohner mieden die ehemalige Kultstätte im Dunkeln, so dass sich während der Revolutionsjahre im 19. Jahrhundert die Schwälmer Demokraten dort ungestört versammeln konnten und von den Wippersteinen aus den Widerstand organisierten. 1848/1849 trafen sich die Revolutionäre unter der Führung des Lehrers Moses Kaufmann aus Merzhausen und seinem Mitstreiter Ludolph aus Schrecksbach. Am dritten Pfingstfeiertag 1849 soll es an den Wippersteinen eine Versammlung gegeben haben, an der viele Merzhäuser, Wasenberger und Willingshäuser teilnahmen.

Auch am morgigen Sonntag wollen die Merzhäuser zu den Wippersteinen ziehen – zwar nicht wie 1849 mit der schwarz-rot-goldenen Fahne vorneweg, die damals der Tagelöhner Heinrich Peter trug, aber mit jeder Menge Wissenswertem über ihre Heimat im Gepäck.

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Von Sylke Grede

Quelle: HNA

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