B. Braun drohen Umsatzeinbußen

Streit um Anteile an Rhön-Klinikum eskaliert: B. Braun drohen Umsatzeinbußen

Streitobjekt: Die Rhön-Klinikum AG, zu der auch das Uniklinikum Marburg-Gießen (hier im Bild) gehört, ist einer der größten privaten Krankenhausbetreiber in Deutschland. Foto: dpa

Melsungen. Ein Aktienpaket an der Rhön Klinikum AG könnte die B. Braun Melsungen AG Umsatz kosten. Mit der fünfprozentigen Beteiligung an dem privaten Krankenhausbetreiber hatte die B. Braun Holding, die Eigentümerin des Melsunger Medizin- und Pharmaherstellers, 2012 den Konkurrenten Fresenius gebremst.

Mit der hatte man das Rhön Klinikum kaufen und mit seiner Krankenhaustochter Helios verbinden wollten. Nun kündigten die Helios-Kliniken an, die Melsunger ab 2015 zunächst nicht mehr als bevorzugte Lieferanten zu berücksichtigen. Das betrifft die B. Braun-Chirurgietochter Aesculap, könnte sich aber auch auf andere Produkte des medizinischen Bedarfs erstrecken.

Ähnliches drohen auch die Rhön-Kliniken an: Er halte eine Auslistung von B. Braun für möglich, sagte Eugen Münch, Aufsichtsratschef und Großaktionär des Unternehmens, der Wirtschaftswoche. Für den B. Braun-Konzern, der 2012 fünf Milliarden Euro umsetzte, könnte es um einen zweistelligen Millionenbetrag gehen: Münch schätzt den Umsatz mit den Rhön-Kliniken auf zehn bis 30 Millionen Euro.

Der B. Braun Holding, die den Streit nicht kommentiert, dürfte es mit ihrem Anteilskauf darum gegangen sein, sich strategisch in Stellung zu bringen. Denn die Helios-Kliniken von Fresenius und der Rhön-Konzern sind mit jeweils knapp drei Mrd. Euro Umsatz und zusammen 35 000 Betten Schwergewichte auf dem Markt der privaten Klinikbetreiber in Deutschland. Mehr Patientenbetten hat nur die Hamburger Asklepios-Gruppe, die sich ebenfalls bei Rhön Klinikum einkaufte.

Der 75 Milliarden Euro schwere Klinikmarkt in Deutschland ist kleinteilig und zergliedert. Etwa jedes dritte Krankenhaus hat einen privaten Träger. Jeder fünfte Patient wird dort behandelt. Fusionen werden erwartet. Denn im Verbund lassen sich Angebot und Kapazitäten besser steuern. „Es geht um Synergieeffekte und Planungsmöglichkeiten“, sagt Thomas Bublitz, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Privatkliniken.

Ein Helios-Rhön-Verbund unter Führung des Konkurrenten Fresenius, der ebenfalls Medizintechnikprodukte herstellt, hätte für B. Braun aber einen Verlust von Geschäften bedeuten können. Die Melsunger und Asklepios machten mit ihren Beteiligungen Rhön Klinikum unattraktiv für Fresenius, denn für eine Kontrolle des Unternehmens war eine Aktienmehrheit von 90 Prozent notwendig. Rhön-Klinikum konterte hart: Auf der Hauptversammlung wurden die Stimmrechte der B. Braun Holding und von Asklepios nicht anerkannt, die 90-Prozenthürde wurde geschleift.

Ein schnelles Ende des Streits ist nicht in Sicht: B. Braun will gegen den Beschluss der Hauptversammlung klagen.

Von Barbara Will

Quelle: HNA

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