Streit unter Berufskollegen: Amtsgericht verurteilte einen 49-jährigen Mann

Schwalmstadt. Zu zwanzig Tagessätzen à 35 Euro wegen Widerstandes gegen Polizeibeamte verurteilte das Amtsgericht Schwalmstadt einen Mann aus dem Altkreis Ziegenhain.

Im November vergangenen Jahres hatte der im stark alkoholisierten Zustand kurz vor Mitternacht Streit mit einem Berufskollegen aus Norddeutschland, welcher in einer handgreiflichen Auseinandersetzung mit einem zerrissenen Hemd und einigen Schrammen endete.

"Ich war nach Feierabend zu Fuß auf dem Weg zur Firma, um kurzfristig beim Entladen eines Lastwagens zu helfen. Plötzlich fuhr ein Laster mit hoher Geschwindigkeit an mir vorbei. Ich habe den Fahrer zur Rede gestellt und auch leicht angefasst. Der hat mich aber gleich beleidigt", schilderte der 49-jährige Mann die damalige Situation aus seiner Sicht lebhaft und detailliert.

Die zur Hilfe geeilte Polizei schlichtete der Streit und brachte den Angeklagten zur Aufnahme der Personalien auf die Dienststelle nach Schwalmstadt.

"Im Auto war alles noch in Ordnung. Als wir den Angeklagten in das Gebäude begleiteten, leistete er plötzlich Widerstand und riss sich mehrfach los. Ein Sprühstoß Pfefferspray klärte dann die Situation", ließ ein als Zeuge geladener Polizeibeamter den Abend im November 2013 Revue passieren. Auf einer Skala von Eins bis Zehn sei die Stärke des Widerstands wohl eine Fünf gewesen, erklärte der Beamte auf Nachfrage des Richters.

Der 49-Jährige bestritt die Vorwürfe nicht. "Ich möchte nicht irgendwelche Märchen erzählen", erklärte der Berufskraftfahrer und zeigte ehrliche Reue. Die damalige Tat war ihm sichtlich unangenehm.

"Es war so, wie es sich hier in der Verhandlung herauskristallisiert hat", bestätigte auch der Anwalt die Aussagen seines Mandanten und wies das Gericht darauf hin, dass der Angeklagte durch diesen Vorfall drei Tage später seine Stelle verloren habe.

"Wenn Sie nicht betrunken gewesen wären, hätten Sie es nicht gemacht", bilanzierte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer und beantragte eine verhältnismäßig milde Strafe. Der Vorsitzende Richter zeigte sich verständnisvoll, folgte dem Antrag des Staatsanwalts und ließ den damaligen Alkoholzustand und den Arbeitsplatzverlust strafmildernd in sein Urteil einfließen.

Eigentlich sollte in der Verhandlung auch der Tatbestand der Körperverletzung behandelt werden. Das als Zeuge geladene Opfer der Auseinandersetzung erschien aber nicht zur Verhandlung und war auch telefonisch nicht erreichbar, somit war der Sachverhalt nicht eindeutig zu klären.

Daraufhin entschloss sich der Staatsanwalt, den Vorwurf der Körperverletzung fallen zu lassen. Der Vorsitzende Richter stimmte dem Antrag zu, und so blieb es bei der Strafe wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.

Von Matthias Haaß

Quelle: HNA

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