Streit um Kulturhalle: Eklat in Spangenberger Parlament

Früher Werkhalle, heute Kulturhalle: Das ehemalige Verwaltungsgebäude des Salzmann-Areals mit dem Kulturhalle-Schild wird heute als Wohnhaus genutzt. In den angrenzenden Werkhallen befindet sich die große und die kleine Kulturhalle. Foto: Feser

Spangenberg. Die Zukunft der Spangenberger Kulturhalle hat am Mittwochabend für einen Eklat im Stadtparlament gesorgt.

Die Verwaltung hatte dem Parlament per Beschlussvorlage mehrere Varianten empfohlen. Diese sahen unter anderem vor, der Stiftung Himmelsfels die Kulturhalle kostenfrei zu verpachten; im Gegenzug sollte die Stiftung die Unterhaltungskosten übernehmen. Dr. Karin Adam, Kuratorin des Kunstwanderweges Ars Natura, kritisierte dieses Vorgehen der Stadt.

Adam, die als Zuschauerin die Sitzung verfolgen wollte, hatte sich zuvor bei Parlamentschefin Claudia Schenk Rederecht erbeten. „Eine bestimmte Glaubensgruppe wird bevorzugt“, sagte sie und meinte den Himmelsfels, den sie als „ultrachristliche und evangelikale Stiftung“ bezeichnete. „Die Hallen sollten nicht einseitigen Interessen geopfert werden.“ Stattdessen plädiert sie dafür, die Hallen unter demokratischen Bedingungen städtisch verwalten und vermarkten zu lassen. Schließlich gebe es mehr Gruppen in Spangenberg, die die sanierte Kulturhalle nutzen würden.

Johannes Weth, Stiftungsvorstand des Himmelsfels und ebenfalls als Zuschauer im Saal, wollte darauf reagieren. Dies verweigerte die Parlamentschefin zunächst. Begründung: Rederecht haben nur Mitglieder des Stadtparlaments. Nach Protesten von Stadtverordneten und Zuschauern gestattete sie ihm ebenfalls Rederecht.

Weth wies die Kritik als „Diffamierung“ zurück und sagte, dass damit Lügen in Umlauf gebracht worden seien. Er betonte, dass der Himmelsfels bereits im Jahr 2011 Interesse an der Kulturhalle bekundet habe. „Wir reißen uns den Hintern auf für die Stadt, und der Gegenwind ist manchmal unnötig hart“, sagte er und verkündete: „Jetzt ziehen wir unser Angebot zurück, wir sind raus.“

Sitzungspause - die Fraktionen zogen sich zur Beratung zurück. Die weitere Debatte verfolgte Weth nicht. „Wir können doch froh sein, wenn jemand kommt wie der Himmelsfels und noch Geld obendrauf legt“, sagte Peter Dahnke (CDU). Man dürfe nicht den Eindruck erwecken, mit riesigen Pachteinnahmen zu rechnen. Und er fügte an: „Das heute Abend ist nicht zum Wohle unserer Stadt.“

Kai-Ingo Niessing (FDP) sagte, seine Fraktion werde jeder pachtfreien Vergabe widersprechen: „Da fühlt sich doch jeder Spangenberger über den Tisch gezogen.“

Nach Meinung von Karlheinz Brede (SPD) sei die beste Lösung, die Kulturhalle ordentlich zu sanieren und vor einer Verpachtung den Pachtwert sachverständig ermitteln zu lassen. Er fragte: „Welche Auslastung wäre möglich, wenn die Stadt die Vermarktung verstärken würde?“

Das Parlament hat einstimmig beschlossen, die große Kulturhalle zur Verpachtung auszuschreiben. Die Pacht hat sich an den Kosten für die noch zu errichtende Maschinenhalle zu orientieren. In Sachen Bauhof stimmte das Parlament mehrheitlich für die Sanierung des Bauhofs (Fassade, Dach, Grundmauer) und den Bau eines Lagerplatzes mit Lagerboxen. Für die Sanierung der Heizung müssen die Kosten ermittelt werden; die Heizung soll mittelfristig von der Kulturhalle abgeklemmt werden.

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare