Viel Applaus gab’s für eine Poetry-slam-Show in der Brückenbuchhandlung

Streit war nicht angesagt

In Melsungen mal nicht im Dichterwettstreit: Pauline Füg und Martin Ruppert in der Brückenbuchhandlung. Foto: Hirchenhain

Melsungen. Poetry Slam heißt eigentlich Dichterwettstreit. Doch in der Brückenbuchhandlung waren am Freitagabend Pauline Füg und Marvin Ruppert einen Abend lang in ihrer Kunst vereint.

„Großraumdichten und Kleinstadtgeschichten“ waren angekündigt, geboten wurde eine großartige Lyrik- und Prosa-Show. Pauline Füg, Autorin, Bühnenpoetin und examinierte Psychologin, vor drei Jahren mit dem Kulturpreis Bayern ausgezeichnet, war an diesem Abend für die Lyrik zuständig.

Voller sprachlicher Präzision und lyrischer Kraft präsentierte die Künstlerin nicht nur Kürzestlyrik (Gedichte mit zwei Versen), sondern auch strophige Gedichte voller Metaphorik und tief gehendem Sinngehalt, wunderbare Bilder voller Romantik und Melancholie.

Marvin Ruppert, Melsunger Junge, ebenfalls studierter Psychologe, Autor und Lektor, lebt in Marburg und Würzburg. In seinen Kleinstadtgeschichten muss die Liebe als Thema herhalten. Vor allem sein Anti-Held erlebt viele Möglichkeiten des Scheiterns, auch in der Liebe. Subtil komisch lässt Ruppert seinen Protagonisten (den Ich-Erzähler) in die Abgründe erstickter Leidenschaft stürzen. Am Beispiel zahlreicher Kurzgeschichten, die Ruppert in seinem Büchlein „Ich mag Regen“ gesammelt und aus dem er an diesem Abend einige vorgetragen hat, zeigt er, dass nur Selbstironie und Humor den Umgang mit dem Scheitern ertragen lassen. So seine Homage an Georg Büchners „Woyzeck“, aus der in der Ruppertschen Vision aus einer düsteren, traurigen Liebesgeschichte zur Abwechslung mal eine glückliche wird.

Regeln penibel eingehalten

Ruppert, der dreimaliger hessischer Slam–Poetry-Meister ist, erläuterte in der voll besetzten Brückenbuchhandlung zentrale Regeln des Poetry Slam: Zeitlimit pro Beitrag fünf Minuten, der Text muss selbst geschrieben sein und es dürfen keine Requisiten vorhanden sein. Von beiden Künstlern wurden die Regeln penibel eingehalten, nur ein Mikrophon und spärliche körperliche Gesten unterstrichen ihre Show.

Als „special guest“ trat auch die Nachwuchs-Slam-Poetristin Letitia Wahl auf. Das Publikum war total begeistert und erwirkte durch langes rhythmisches Klatschen Zugaben der beiden Künstler. Der Brückenbuchhandlung sei Dank, dass sie den Mut hat, Kleinkunst dieses Formats nach Melsungen zu holen.

Von Gert Hirchenhain

Quelle: HNA

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