Verfahren vor Amtsgericht wurde eingestellt

Kleinkrieg auf der Straße endet ohne Urteil

Fritzlar. Miami Vice im Schwalm-Eder Kreis - Bilder dieser Fernsehserie scheinen durch den Gerichtssaal in Fritzlar zu schwirren. Doch verhandelt wird nicht über ein Rennen amerikanischer Straßenkreuzer, sondern über das Verhalten des Beklagten im Ford und des Klägers im „Polochen", wie er selbst sein Fahrzeug nennt.

Auf der Bundesstraße zwischen Wabern und Fritzlar bremsen sie sich gegenseitig aus und überholen sich in riskanten Manövern. Ins Lenkrad verkrallt, kocht die Wut bei beiden offenbar hoch.

Der klagende, pensionierte Lehrer (68) vergisst die Abfahrt zum Treff mit der Schwiegertochter. Der Beklagte (35), Vater einer Fünfjährigen, versucht die weinende Tochter auf dem Beifahrersitz zu beruhigen.

Sie wollten für die Katze etwas einkaufen. Das kann warten, zuerst müssen die Personalien des anderen für eine Anzeige beschafft werden. Beide Wagen kommen am Straßenrand zum Stehen.

Der eine sagt, er hätte nur um die Adresse gebeten. Der Pensionär sagt, er sei zusammengeschlagen worden. Er hätte um sein Leben gebangt, als er plötzlich den Teleskopschläger in der Hand des anderen sah. Die geladenen Zeugen werden gebeten, den Stand der beiden Fahrzeuge aufzuzeichnen.

Hat sich tatsächlich der Ford vor den Polo quergestellt? Jeder Zeuge hat eine andere Erinnerung daran. Bis auf die verbale Auseinandersetzung gibt es keine Wahrnehmungen über Tätlichkeiten.

Zwei Ärzte verschiedener Einrichtungen hatten notiert, die Verletzungen des Klägers würden von einem Sturz herrühren. Doch der eine Arzt hätte nichts verstanden, da er aus dem „arabischen Raum“ stamme und der andere sei überlastet gewesen, erklärt der Betroffene.

Der Oberstaatsanwalt meint, das Geschehene könne auch auf einer subjektiven Interpretation beruhen. Er schlägt die Einstellung des Verfahrens vor.

Kläger enttäuscht 

Nach längerer Beratung stimmen Beklagter und Anwalt zu. Der Kläger ist sichtlich enttäuscht. Vielleicht hatte er sich auch einen anderen Ausgang erhofft, da der junge Gegenanwalt einst sein Schüler war. Noch einmal setzt er an: „Die Strecke macht dort eine lange Rechtsbiegung…“.

Das Verfahren wird eingestellt. Die Kosten gehen zu Lasten der Staatskasse. (me)

Quelle: HNA

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