Schauprozess mit echten Juristen und Justizmitarbeitern als Laiendarstellern

Streit unter Zechkumpanen

Schauprozess „Schlägerei im Biergarten“: von links vorne Ralf Börner in der Rolle des Geschädigten, Dieter Grün in der Rolle des Angeklagten; dahinter von links der Anwalt des Geschädigten und Nebenklägers, Horst Sonnenschein, Staatsanwalt Michael Craß, Richter Stephan Heidelbach und der Anwalt des Angeklagten, Karl-Heinz Zimmermann.

Melsungen. Dieter Grün, ein unbescholtener Melsunger, spielte die Rolle des Angeklagten perfekt: Seinem Zechkumpan Ralf Börner soll er in betrunkenem Zustand nach einer zunächst verbalen Auseinandersetzung einen Faustschlag ins Gesicht versetzt und anschließend ihm einen gläsernen Bierkrug über den Kopf geschlagen haben. Das endete blutig.

Gefährliche Körperverletzung lautete der Vorwurf, weshalb er sich vor Gericht verantworten musste. Zwar hat es den Vorfall nie gegeben, doch Grün und sein Kontrahent spielten ihre Rollen im Schauprozess perfekt – ebenso die Zeugen Claudia Börner (in der Verhandlung hieß sie Hank), Gerlinde Bührig, Andreas Wildung und Thomas Junghans, ein echter Polizist.

Richter Stephan Heidelbach erläuterte den Besuchern im brechend vollen Sitzungssaal des Amtgerichts seine Aufgabe. Das gleiche machten Staatsanwalt Michael Craß, Horst Sonnenschein in der Rolle den Anwalts des Geschädigten, um dessen zivilrechtlichen Anspruch auf Schmerzensgeld im selben Verfahren durchzusetzen, und Karl-Heinz Zimmermann als Anwalt des Angeklagten.

Nachdem die Zuhörer, darunter etliche Schüler, einen Überblick erhalten hatten, ging es zu wie bei einer echten Gerichtsverhandlung.

Doch wo war der Angeklagte? Er hatte doch versprochen, pünktlich zu sein? Die Polizei fand ihn zuhause und brachte ihn zur Verhandlung.

Um es kurz zu machen: Der bis dahin unbescholtene Mann, der sich bei seinem langjährigen Zechkumpan entschuldigte, kam mit sechs Monaten auf Bewährung und einer Schmerzensgeldzahlung von 4000 Euro davon. Freilich muss Dieter Grün nichts bezahlen: Denn alles war nur ein Spiel.

Von Brigitte Müller-Neumann

Quelle: HNA

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