Stresstest für Grabsteine: Friedhofsarbeiter suchen nach Wackelkandidaten

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TÜV für Grabmale: Die Spangenberger Friedhofsarbeiter Dieter Bödicker (links) und Karsten Deist prüfen in diesen Tagen 1800 Grabsteine auf ihre Standfestigkeit.

Spangenberg. Drei Männer suchen nach Wackelkandidaten. Reihe für Reihe, Grab für Grab schreiten die städtischen Mitarbeiter den Spangenberger Friedhof ab. Anlass ist Artikel 7 der Unfallverhütungsvorschrift 4 von der Gartenbau-Berufsgenossenschaft.

Einmal im Jahr, nach der Frostperiode, müssen Grabsteine auf ihre Standfestigkeit kontrolliert werden. Eigentlich sollten das die Grabmieter tun. „Die Stadt prüft das aus Gefälligkeit nach“, sagt Dirk Schenk vom Ordnungsamt.

Ein Marmorstein in Grabfeld B2, Reihe 3, bricht die Vorschrift. Er neigt sich Richtung Beet und steht nicht mehr fest auf dem Grabsockel. „Das sehe ich mit bloßem Auge“, sagt Friedhofsarbeiter Dieter Bödicker, und setzt schließlich doch das weiße Rohr an, das Grabsteinprüfgerät heißt. Bödicker stemmt sich dagegen, bis das Gerät piepst: „Dann erfüllt der Stein die Vorschrift und hält 50 Kilogramm stand.“

Er hält nicht stand, sondern gibt einige Zentimeter nach. Bödicker klebt einen roten Denkzettel für den Mieter auf den Wackelkandidaten: „Unfallgefahr! Grabstein lose!“, steht darauf. Es ist der achte Grabstein, den sein Kollege Dirk Schenk vom Ordnungsamt an diesem Morgen in seine Liste einträgt.

Und es wird nicht der letzte sein. „Der Winter war hart“, antwortet Bödicker einer Dame, die sagt, der Grabstein hätte schon immer schief dagestanden.

Frost oder Feuchtigkeit wären in die Fugen zwischen Stein und Sockel gekrochen und hätten erst den Silikonkleber gelöst, und dann der ganzen Stein. „Mit etwas Pech fällt er einem Besucher beim Gießen auf den Kopf“, sagt Schenk. Tod beim Friedhofsbesuch – so etwas sei in Deutschland schon passiert.

Die 1800 Grabsteine, die die drei Männer in Spangenberg, Landefeld, Metzebach und Schnellrode kontrollieren, sind Schwergewichte. „Die wiegen drei, vielleicht sogar vier Zentner“, schätzt Friedhofsmitarbeiter Karsten Deist.

„Es geht um die Sicherheit – aber auch ums Aussehen“, sagt Schenk. Schließlich sei der Friedhof ein Aushängeschild für jeden Ort. Gepflegte Gräber und aufrechte Steine sollten die Besucher begrüßen.

Quelle: HNA

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