Emstaler Verein verpasst Laternen in Wolfhagen ein neues, buntes Aussehen

Guerilla-Stricker in Wolfhagen unterwegs

+
Ein Ringelstrumpf für die Laterne: Thurid Suß, Sozialarbeiterin beim Emstaler Verein, ist für den Hingucker in der Kurfürstenstraße verantwortlich. Sie will damit auf die Arbeit des Vereins, der psychisch kranke Menschen betreut, aufmerksam machen.

Wolfhagen. Eine Passantin bleibt kurz stehen. Sie mustert die kunterbunte Laterne von oben bis unten. Es wirkt, als habe jemand dem grauen Mast einen kuschligen Ringelstrumpf in Regenbogenfarben übergezogen.

Mit einem Lächeln zieht die Passantin schließlich weiter.

Geschehen ist diese Szene vor dem Gebäude des Emstaler Vereins in der Kurfürstenstraße in Wolfhagen. Die Mitarbeiter und Klienten des Vereins, der sich um psychisch kranke Menschen kümmert, haben der Beleuchtungsanlage ihr neues Aussehen verpasst.

Trend aus den USA

Guerilla-Stricken heißt der Trend, der ursprünglich aus den USA kommt und der nun auch in Wolfhagen für ein gemütlicheres Stadtbild sorgen könnte. Mit Nadel und Wolle bekommen alltägliche Gegenstände wie Fahrradständer, Mülleimer oder eben Laternen etwas Schickes zum Anziehen verpasst.

Thurid Suß, Sozialarbeiterin beim Emstaler Verein, sah Guerilla-Stricker in Kassel und brachte die Idee mit nach Wolfhagen. „Wir wollen mit den bunten Laternen ein wenig auf uns aufmerksam machen“, sagt sie. „Unser Verein ist schon seit 16 Jahren in dieser Stadt, und niemand weiß genau, was wir hier eigentlich machen.“

Aufmerksam machen, einen Aha-Effekt erzeugen, das ist passender Weise genau der Sinn hinter maschigen Straßen-Kunst. „Die Idee dazu hatten Hausfrauen, die sich mehr Beachtung für ihre Strickwaren wünschten. Also brachten sie sie auf die Straße, wo sie jeder sieht“, erklärt Thurid Suß.

Die Menschen, die Suß in einer therapeutischen Strickgruppe betreut, waren sofort dabei. „Die brauchte ich nicht lang zu überzeugen. Anstatt Taschen haben wir eben den neuen Anzug für unsere Laternen gestrickt“, berichtet die 50-jährige Kasselerin.

Es braucht keine sonderliche Begabung, um Guerilla-Stricker zu sein. Die Fachfrau erklärt: „Wir verwenden eine ganz einfache Technik. Es sind nur rechte Maschen.“

Zum Sommerfest des Emstaler Vereins, wird am Freitag, 24. August, in der Kurfürstenstraße 1 ab 15.30 Uhr ein Guerilla-Strickkurs angeboten.

Das sagt das Ordnungsamt:

Helmut Rupp von Ordnungsamt Wolfhagen sagte gegenüber der HNA, man habe Wichtigeres zu tun, als sich mit Trends wie dem Guerilla-Stricken zu beschäftigen. Grundsätzlich würde das Ordnungsamt aber gerne gefragt, wenn jemand vor hat, das Eigentum der Stadt wie Laternenmasten oder Mülleimer zu bestricken. Aus Gründen der Verkehrssicherheit lehne man Strickkunst an Ampelanlagen oder Verkehrsschildern ab.

Wolfgang Fischer vom Ordnungsbehördenbezirk Habichtswald, zu dem außer Wolfhagen alle Kommunen des Wolfhager Lands gehören, reagierte ähnlich. Auch er rät dazu, vor dem Stricken beim Amt nachzufragen. „Wenn es schön aussieht, wird schon niemand was dagegen haben“, sagte Fischer. (jal)

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare