Knüllstadt plant mit französischer Partnergemeinde gemeinsame Ausstellung

Feldpostbriefe aus dem 1. Weltkrieg: Strohhalme im Wahnsinn

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Feldpostkarte aus dem Ersten Weltkrieg.

Die Stadt Schwarzenborn und ihre französische Partnergemeinde St. Gervais planen als Zeichen ihrer Freundschaft eine Ausstellung mit Feldpostbriefen aus dem Ersten Weltkrieg.

Schwarzenborn. Feldpostbriefe - sie bildeten die Brücke in die Heimat, lieferten Berichte über Verwüstung und Tod, erzählten Liebesgeschichten. Die Geschichten hinter den Briefen wollen Schwarzenbörner und die französische Partnergemeinde jetzt gemeinsam erzählen.

Szenen, die in Briefen festgehalten sind, will der französische Partnernschaftsverein in einem Theaterstück auf die Bühne bringen. Für eine das Theaterprojekt begleitende Ausstellung bitten die französischen Freunde nun im Knüll um Unterstützung und fragen nach persönlichen Dokumenten aus dem Ersten Weltkrieg.

Was für die Soldaten oft der einzige Strohhalm im Wahnsinn des Krieges war, werden die Schwarzenbörner nun unter dem Titel Frieden und Völkerverständigung aufarbeiten. Ein sichtbares Zeichen wird der Besuch der Schwarzenbörner im französischen Departement Drôme sein, erklärt Rainer Schneider, Vorsitzender des Partnerschaftsverein.

Erste Fotos und Briefe sind in der Schwarzenbörner Stadtverwaltung bereits eingegangen. Und Menschen wie Hans Gutheil werden damit in Frankreich ein Gesicht bekommen. Der junge Mann, eingeschrieben im KöniglichPreußischen Seminar in Schlüchtern, habe Lehrer werden wollen, erzählt Bürgermeister Jürgen Kaufmann. Der 23-jährige Sohn eines Schusters fiel am 4. November 1918.  

Es waren nicht immer Kämpfe, Tod und Verzweiflung das Thema, wenn Schwarzenbörner Feldpostbriefe von der Front in den Knüll schickten. Das belegen auch die Zeilen von Johannes Ziegler: „Liebe Frau, ich teile dir mit, dass ich seit einigen Tagen in französischer Gefangenschaft bin. Am linken Arm war ich leicht verwundet“, schrieb er am 30. September 1916.

Rainer Schneider

Bürgermeister Kaufmann ist sich sicher, mit der zunächst in Frankreich - später auch in Schwarzenborn - geplanten Ausstellung wird auch die Stadt Schwarzenborn eine völlig neue Perspektive auf die eigene jüngere Geschichte bekommen.

Von Sylke Grede

Quelle: HNA

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