Stromanbieter: Große Probleme beim Wechsel

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Der Stromzähler läuft, aber der Anbieterwechsel gestaltet sich schwierig: Hans-Hagen Augst vor dem Stromkasten im Oberbeisheimer Einfamilienhaus.

Oberbeisheim. Es war ein hin und her: Über so viel Durcheinander kann Hans-Hagen Augst nur noch den Kopf schütteln. Vor einem halben Jahr kündigte der Oberbeisheimer seinem Stromanbieter Vattenfall, weil der die Preise erhöht hatte und schloss einen Vertrag mit Prioenergie ab.

Das Unternehmen versuchte fünf Monate den Anschluss bei der Eon - die in der Übergangszeit als Grundversorger gilt - umzumelden. Bei der Prioenergie könnten der Rentner und seine Lebensgefährtin Angelika Alles im Jahr bei gleichem Verbrauch 150 Euro im Jahr sparen, erklärt er. „Das lohnt sich doch“, sagt Augst.

Zum 1. Februar sollte der neue Anbieter den Strom liefern und teilte Augst mit, er werde sich um die Ummeldung kümmern. Das konnte aber nicht umgesetzt werden. Grund dafür: Die Eon antwortete, Zählernummer und Lieferadresse der Oberbeisheimerin, die rechtliche Eigentümerin des Hauses ist, seien dem Unternehmen nicht bekannt und somit eine Kündigung nicht möglich.

Selbst tätig geworden

Auch als Augst selbst tätig wurde, Zählernummer und Zählerstand an die Eon weitergab, kam die Antwort: „Leider können wir ihre Daten nicht aufnehmen, weil wir nicht ihr aktueller Energielieferant sind“. Mittlerweile war ein weiterer Monat verstrichen. Grund für die lange Bearbeitungszeit sei, dass Augst selbst den Vertrag mit der Vattenfall gekündigt habe. „Heute weiß ich, das war ein Fehler. Ich hätte Prioenergie gleich damit beauftragen sollen, dann wäre alles erledigt gewesen.“

Akribisch hielt er jeden Vorgang fest, fügte den Schreiben kleine Protokolle über die Telefonate bei. Auch ein Brief der Eon befindet sich darunter, worin das Unternehmen am 23. April die Zählernummer angibt, und mitteilt, dass sie als örtlicher Grundversorger nun die Namen der Eigentümer der Lehmkaute in Oberbeisheim festgestellt habe und davon ausgehe, dass der Oberbeisheimer ihr Vertragspartner sei. Daraufhin meldete sich Augst und teilte wie gewünscht den Zählerstand mit.

Doch damit war die ganze Angelegenheit noch lange nicht erledigt: Denn es kam wieder Post von Prioenergie. Die Lieferadresse sei der Eon nicht bekannt, ein Wechsel nicht möglich.

Der Mitarbeiter der Eon riet nun, Prioenergie solle keinen Lieferantenwechsel, sondern einen Neuzugang beantragen, dann würde es klappen. Die Prioenergie schickte darauf wieder eine Mail, mit dem nun schon bekannten Text. Lieferadresse unbekannt. Insgesamt fünf dieser Mails liegen August vor. „Das ist nun die Spitze. Fünf Monate geht das hin und her. Jetzt reicht es mir.“ Für ihn ist klar, er will der Eon-Mitte keinen Cent mehr zahlen, als er an Prioenergie hätte zahlen müssen.

Rückwirkend neue Kundin

Rückwirkend zum 18. April kann Angelika Alles nun als neue Kundin von Prioenergie eingestuft werden, erklären Steffen Schulze, Pressesprecher des zuständigen Netzbetreibers Eon-Mitte sowie Jennefer Vogt von Prioenergie, nachdem sich unsere Zeitung eingeschaltet hatte. Rene Schneider vom Vertrieb der Eon fügte hinzu, dass Eon keine Abrechnung über die Zeit vom 1. Februar bis zum 18. April schicken werde.

Die Probleme seien entstanden, weil der bisherige Energielieferant die Kundin bei Eon-Mitte wie bei einem Wohnungswechsel abgemeldet und nicht wie vorgesehen einen Wechsel des Energielieferanten angegeben hatte, sagte Schulze von Eon. Erst nach mehreren Wochen sei dem neuen Energielieferanten aufgefallen, dass er die Kundin neu anmelden musste. Erst zu diesem Zeitpunkt habe der neue Lieferant den Versorgungsbeginn der Kundin korrekt angemeldet.

Unvollständige Daten

Jennefer Vogt von Prioenergie hat anderes in ihrem Hause recherchiert: „Unsere mehrmaligen Versuche, die Kundin direkt beim Netzbetreiber Eon abzumelden, scheiterten, weil diesem nach eigener Aussage nur unvollständige Daten vorlagen oder diese Daten nicht zuordnen konnte. Wir haben uns von Anfang an bemüht, Frau Alles rechtzeitig zu beliefern, aber die Kommunikation mit dem Vorlieferanten und mit dem Netzbetreiber gestaltete sich durchweg kompliziert.“

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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