Knüllwälder zapfte jahrelang Energie ab – Strafe zur Bewährung

Senior klaute jahrelang Strom beim Nachbarn

Fritzlar/Knüllwald. Weil er jahrelang bei seinem Nachbarn Strom klaute, musste sich ein 70-Jähriger aus Knüllwald vor dem Amtsgericht Fritzlar verantworten.

In den kommenden 29 Jahren wird er seine Schulden nach und nach abbezahlen müssen - bei einem Lebensalter von 70 Jahren zweifelsfrei eine symbolische Strafe. Neben der monatlichen Zahlung von zehn Euro an den Geschädigten verurteilte das Amtsgericht Fritzlar jetzt einen 70-jährigen Knüllwälder zu einer zehnmonatigen Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf fünf Jahre zur Bewährung.

Der Rentner zeigte sich geständig, in der Zeit von März 2009 bis September 2011 von seinem Nachbarn Strom geklaut zu haben. Dazu verlegte er ein Kabel von seinem Grundstück zum Stromverteilerkasten des angrenzenden Wochenendhauses. Dessen Eigentümer, einem Geschäftsmann aus dem Sauerland, entstand auf diese Weise ein Schaden von rund 3500 Euro.

Menschlich enttäuscht

„Ich bin menschlich enttäuscht, aber eigentlich tut er mir einfach nur leid“, beteuerte der Geschädigte vor Gericht. Seit rund 20 Jahren pflegte der Sauerländer, der das Haus im Knüll als Urlaubs- und Wochenend-Domizil nutzte, gute nachbarschaftliche Kontakte zu dem Angeklagten.

Die höheren Stromrechnungen für das Ferienhaus seien zwischen den monatlichen Energiekosten seiner Firma zunächst nicht aufgefallen. Das änderte sich, als er das Haus aus Zeitmangel kaum noch nutzte, ihm jedoch am Jahresende hohe Nachzahlungsforderungen auf den Tisch flatterten.

"Quasi geduldet“

Zudem habe er durch Hinweise aus dem Ort von einer möglichen Energiebereicherung des Nachbarn erfahren. Trotzdem sei er der Sache aus Zeitmangel wie auch aus Mitleid mit seinem mittellosen Nachbarn anfangs nicht nachgegangen und habe damit den Stromklau quasi geduldet.

Erst nach einer weiteren hohen Rechnung forderte er den Nachbarn unmissverständlich auf, die Stromentnahme zu unterlassen. Dass der dennoch weiter Energie entzog, fiel schließlich beim Verkauf des Hauses auf, als ein Elektriker das fremde Kabel entdeckte.

„Mit 650 Euro im Monat und vielen Schulden kommt man nicht weit“, wies der Rentner vor Gericht auf seine miserable finanzielle Situation hin.

Unbezahlte Rechnungen

Bereits 2003 war ihm wegen unbezahlter Rechnungen vom Stromversorger gekündigt worden. Mit der verbotenen Selbsthilfe jedoch biss er bei Staatsanwalt und Richterin auf Granit, zumal er bereits mehrfach – auch wegen wiederholten Stromdiebstahls – strafrechtlich auffällig war.

Dass er entgegen der Forderung des Staatsanwaltes dennoch mit einer Bewährungsstrafe davonkam, war dem Geständnis, dem fortgeschrittenen Lebensalter sowie der wirtschaftlichen und gesundheitlichen Situation des Angeklagten geschuldet, hieß es in der Urteilsbegründung.

Von Sigrid Ehl-von Unwerth

Quelle: HNA

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