"Rassismus ist allgegenwärtig"

Student spricht an Wilhelm-Filchner-Schule über das Leben in Südafrika

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Der südafrikanische Student Andy Lindokuhle Khuzwayo sprach an der Wilhelm-Filchner-Schule über sein Heimatland, das Heranwachsen in Südafrika, Bildungschancen und gegenwärtigen Rassismus.

Wolfhagen. „Was wäre die erste Sache, die du in Südafrika ändern würdest?“, lautet eine der Schülerfragen. Andy Lindokuhle Khuzwayo überlegt kurz und antwortet dann: „Ich würde das Denken verändern."

Er fügt außerdem hinzu: „Wir befinden uns immer noch in den Auswirkungen der Apartheid und sehen nicht, dass die Welt voller Möglichkeiten steckt.“

Khuzwayo, der mit Vornamen angesprochen werden wollte, hat die Wilhelm-Filchner-Schule besucht und vor der Oberstufe einen einstündigen englischsprachigen Vortrag über sein Heimatland gehalten. Durch Anekdoten, Scherze und Nachsprechen wurde der Q2-Jahrgang gleich miteinbezogen.

Der Südafrikaner beginnt mit Erzählungen von seiner Jugend in Jabavu, einem Ortsteil von Soweto. Soweto wiederum ist Teil der Metropolgemeinde von Johannesburg und manch einem noch als Austragungsort der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Erinnerung geblieben. Fußball interessiere Andy aber nicht, er ist Basketball-Fan. „Meine Trainer waren Videos im Internet“, erzählt er vom geringen Sportangebot zuhause.  

In Armut aufgewachsen

Andy wuchs in armen Verhältnissen auf. Obwohl er in Mathe so gut wie kaum ein anderer in seinem Alter war, konnte er sich gute Schulen und Studium kaum leisten. „Wir hatten sehr begrenzte Möglichkeiten zum Leben“, sagt Andy. Nachdem er sich etwas Geld verdient hatte, begann er ein Chemiestudium. „Ich habe nach dem Schwimmen immer ‘Medical Detectives’ geguckt und wollte das auch können“,schildert Andy seine Beweggründe. Das Studium wollte er nach einer Zeit aber abbrechen, weil das Geld knapp wurde. Zufällig traf er eine Bekannte von der Bad Emstalerin Karin Kedem, die ihn an die deutsche Familie vermittelte. Familie Kedem unterstützt südafrikanische Heranwachsende. „Karin war die erste weiße Person, die von sich aus mit mir sprechen wollte“, berichtet Andy. Sie bot ihm an, ihn bei einem Studium in Deutschland zu unterstützen. „Ich glaubte erst nicht, dass ich wirklich nach Deutschland komme“, erzählt der Poetryliebhaber. Der Weg zum Visum sei für ihn nicht leicht gewesen: „Südafrika ist schön auf der Landkarte, aber für viele Menschen ist es schwierig, dort zu leben. Der Rassismus ist allgegenwärtig.“ Das sei auch ein großer Unterschied zu Deutschland. „Ich war erstaunt, wie viele Leute mich hier anlächeln“, fiel ihm schnell auf. „Als ich ankam, war das Erste, was mir auffiel, zum einen die Warmherzig- und Höflichkeit und zum anderen die Kälte“, sagt er mit einem Lachen.

Er hoffe, dass sich in seiner Heimat auch politisch etwas ändert. Von der aktuellen Regierung, die zwar dunkelhäutig, aber auch korrupt sei, sei dies nicht zu erwarten. 

Südafrika als Thema in der Oberstufe

Der Vortrag wurde von den Lehrerinnen Dagmar Ullrich-Freiling und Jennifer Jastremzski organisiert. "Vor drei Jahren hatten wir bereits einen solchen Besuch. Genau wie damals war es auch jetzt super. Andy hat das klasse gemacht", freute sich Ullrich-Freiling über die gelungene Aktion. Die Schüler der Oberstufe haben sich im Unterricht mit Südafrika beschäftigt und sich intensiv auf das Gespräch vorbereitet. So freute sich Khuzwayo über viele interessante Zwischenfragen und gab bereitwillig Auskunft. Opfer von Gewalt auf der Straße sei er übrigens nicht geworden: "Ich wurde oft erkannt, weil ich vielen Kindern bei Schulsachen geholfen habe", scherzte er.

Quelle: HNA

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