Ein Stück Wildnis vor der Haustür: Ursprünge vulkanischer Vergangenheit

Entdeckung: Xenolithe gibt es häufig in Vulkangebieten. Bei ihnen handelt es sich um ältere Gesteine, die in einem Vulkanit eingeschlossen ist.

Das Wolfhager Land ist vor allem geprägt von seiner hügeligen Landschaft. In einer neuen Serie wollen wir einzelne und besonders charakteristische Berge und ihre Bedeutung für die Menschen in der Region vorstellen. Heute kommen wir dem Rohrberg bei Wenigenhasungen etwas näher.

Wenigenhasungen. Das Rauschen der Fahrzeuge auf der Autobahn ist der einzige Hinweis darauf, nicht in einer Wildnis zu stehen. Ansonsten scheint die Landschaft an den Steilhängen des Rohrbergs einer anderen Zeit zu entspringen.Der Wanderweg X2 streift die Erhebung an ihrem östlichen Ausläufer. Wer hinauf zum schmalen Bergrücken will, muss querfeldein laufen.

Das Gelände ist übersät von Brennnesseln und Brombeeren. Weiter oben wankt der Tritt über lose, bemooste Basaltbrocken. Feuchtigkeit dringt aus allen Poren des Berges. Es ist kühl. Die relativ niedrige Temperatur auf den Basaltschutt-Blockhalden soll mit der erdgeschichtlichen Entstehung zusammenhängen, sagt Dr. Reiner Kunz von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Kassel. Im Sommer entströmt der Halde, die nach wie vor in Bewegung ist, kalte Luft, im Winter warme. „Es gibt eine These, die davon ausgeht, dass das innere Klima durch Relikte von Eiskörpern verursacht wird“, sagt der Geologe. Beweise dafür gibt es allerdings nicht.

Aus der Eiszeit

Erwiesen hingegen ist, dass die Schutthalden am Rohrberg während der Eiszeit, also beginnend vor mehr als zwei Millionen Jahren, entstanden. Die Blauen Steine am Schreckenberg bei Zierenberg und die Helfensteine stammen ebenfalls aus dieser Zeit. Kalt- und Warmzeiten wechselten damals einander ab. Nordhessen befand sich vor dem Eisrand. Die klimatischen Verhältnisse stießen physikalische Verwitterungsprozesse an, deren Ergebnisse noch heute sichtbar sind.

Die Basaltbrocken sind vulkanischen Ursprungs. Das Gestein wurde vor etwa 20 bis sieben Millionen Jahren bei Ausbrüchen bis an die Oberfläche katapultiert. Durch noch immer anhaltende Hebungsprozesse und Verwitterung wurden die oberen Erdschichten abgetragen. Wegen ihrer Ausdehnung wurden die Blockfelder zum Naturdenkmal erhoben - und nach Meinung von Kunz ist es eines der schönsten im Wolfhager Land.

Ein Vulkanpfad

Die Überlegung, den Rohrberg gemeinsam mit weiteren prägenden und erdgeschichtlich bedeutsamen Formationen an einen Vulkanpfad anzuschließen, ist nicht neu. Allerdings fehlte bislang das Geld. Tafeln müssten angefertigt werden. Ein Vulkanologe könnte anschauliche Texte verfassen. Wege müssten angelegt und einige Bäume aus dem Bestand genommen werden. Im Falle des Rohrberges würde sich dann vom Gipfelplateau ein atemberaubender Blick auf Burghasungen und das Umland auftun. So aber bleibt er im dichten Laub der Bäume hängen.

Hintergrund:

Die Region Nordhessens ist das nördlichste Vulkangebiet in Deutschland. Es umfasst 2000 Eruptionszentren. Die größte Dichte der Zentren befindet sich im östlichen Teil des Wolfhager Landes. Geformt wurde die Vulkanlandschaft im Tertiär. Damit ist die Landschaft deutlich älter als die der Eifel, wo es noch heute vulkanische Aktivitäten gibt.

Vulkanismus ist das Ergebnis des Zerbrechens der tieferen Erdkruste. Es entstehen Spalten, durch die die basaltische Schmelze emporgesteigt. Das Magma stammt aus Tiefen von bis zu 100 Kilometern. Xenolithe, wie man sie auch auf den Schuttfeldern am Rohrberg findet, geben Hinweis auf die Herkunft des Gesteins aus dem Oberen Erdmantel. Der Begriff Xenolith leitet sich ab von xenos (fremd) und lithos (stein), bei diesen „Fremdsteinen“ handelt es sich um älteres Gestein, das mit dem Magma aus dem Erdinneren geschleudert wurde und inmitten der Lava erkaltet. (ant)

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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