Zu Gast in der Schwalm: Russisches Paar recherchierte in der Gedenkstätte

Suche nach dem Großvater

In der Gedenkstätte: Auf Spurensuche nach dem russischem Großvater begaben sich Lidia Kravtsova und Valerij Belousov. Sie informierten sich mit Hilfe eines Dolmetschers (rechts) bei Hans Gerstmann (hinten von links) und Karin Brandes. Foto:  privat/nh

Trutzhain. Lidia Kravtsova und Valerij Belousov aus Barnaul in Russland besuchten kürzlich die Gedenkstätte und Museum Trutzhain. Ihr Großvater Wenjamin Starikow kam als sowjetischer Soldat 1942 in Gefangenschaft und wurde in das Kriegsgefangenenlager Ziegenhain verschleppt. Hier wurde er registriert und schließlich an ein Arbeitskommando bei Frankfurt übergeben.

Nahezu jeder zweite sowjetische Kriegsgefangene kehrte nicht mehr lebend aus dem nationalsozialistischen Deutschland in seine Heimat zurück. So auch Leutnant Wenjamin Starikow. Er verstarb nach dreijähriger Gefangenschaft und Zwangsarbeit am 24. Januar 1945 bei Frankfurt nur wenige Monate vor der Befreiung durch die Alliierten.

Starikows Familie in Russland wusste bis vor zwei Jahren nichts von seinem Schicksal. Noch Jahrzehnte nach der Vermisst-Meldung hofften seine Ehefrau sowie die gemeinsamen vier Kinder, auch sie sind inzwischen verstorben, auf die Rückkehr des fehlenden Ehemann und Vater. Gerade die lange Ungewissheit habe tiefe Spuren in ihrer Familie und somit auch in ihrem persönlichen Leben hinterlassen, so Lidia Kravtsova.

Umso mehr sei Erleichterung eingetreten, als nach eigenen Recherchen in mittlerweile geöffneten russischen Archiven endlich Klarheit über das Schicksal des Großvaters bestand. Mit Unterstützung der Gedenkstätte und Museum Trutzhain und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge konnte schließlich das Grab Starikows auf dem Hauptfriedhof in Frankfurt lokalisiert werden. Nach einer bewegenden Besichtigung der Gedenkstätte nahmen Lidia Kravtsova und Valerij Belousov am frühen Nachmittag in Frankfurt am Grab des Großvaters stellvertretend für die Familie Abschied. Für sieben weitere Enkelkinder war die weite Reise aus dem sibirischen Russland aus Kostengründen nicht möglich. Dankbar für die Unterstützung verwies Valerij Belousov auf die Bedeutung der Erinnerung. Die Vergangenheit dürfe nicht umgeschrieben werden. (syg)

Quelle: HNA

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