Mühlenbesitzer hatte 840 000 Euro Schulden

Brandserie in der Weißenthalsmühle: Gericht sucht nach dem Motiv

Schutt und Asche: Brände zerstörten das Ausflugslokal Weißenthalsmühle. Das Gericht muss klären, ob es sich um Brandstiftung handelt. Archivfoto. nh

Niedenstein/Kassel. Nach sieben Verhandlungstagen hat im Prozess um die Brandserie in der Weißenthalsmühle die Suche nach einem möglichen Motiv des angeklagten Mühlenbesitzers begonnen.

Am Freitag vernahm das Kasseler Landgericht einen Kripo-Beamten, der sich mit den Finanzen von Volker G. beschäftigt hat. Allzu viele Erkenntnisse brachte das noch nicht.

Zwar konnte der Ermittler die beträchtlichen Schulden des 48-Jährigen beziffern: „Unter dem Strich war festzustellen, dass man auf ein Sollsaldo von 840 000 Euro kam.“ In einem Vermerk hatte der Polizist sich zu der Aussage verstiegen, dass derart hohe Kredite aus „legalen Einkünften“ wohl nicht zu bedienen seien.

Doch wie hoch die Einnahmen des Angeklagten – etwa aus dem Campingplatz an der Mühle, aus der Vermietung von 13 Wohnungen oder aus dem Betrieb einer Photovoltaikanlage – waren, konnte der Beamte nicht sagen. Dazu hätten ihm nicht die nötigen Unterlagen vorgelegen.

Detaillierter hatte sich der Finanzermittler dagegen mit der Buchhaltung zweier polnischer Handwerker beschäftigt, die von Volker G. nach den Bränden regelmäßig mit Wiederaufbauarbeiten beauftragt und mit Stundenlöhnen von 40 Euro recht gut bezahlt worden waren. Auf Kosten der Versicherung. Der Verdacht: Die Brüder könnten dem Mühlenbesitzer hinterher einen Teil des Geldes zurückgegeben haben. „Wenn es ein Motiv für die Brände gibt, dann nur, dass man damit verdient hat“, erklärte Strafkammervorsitzender Wolf Winter. „Sonst machen die Brandstiftungen keinen Sinn.“

Doch trotz Auffälligkeiten in der Buchführung konnte der Kripo-Beamte keine Beweise für einen solchen Rückfluss finden. Was den Mitangeklagten Jürgen K., der als einziger ein Geständnis abgelegt und Volker G. schwer belastet hat, auf die Palme brachte: „Wenn ich das höre, stehen mir die Haare zu Berge“, schimpfte der 55-Jährige. „Ich weiß genau, dass er seinen Polen nicht mehr als zehn Euro gezahlt hat.“

Wie an jedem Prozesstag bislang musste der Mann auch am Freitag aus dem Gefängnis ins Gericht kommen: Seinen Antrag auf Aufhebung des Haftbefehls hatte die Strafkammer abgelehnt. Es bestehe weiterhin Fluchtgefahr.

Der Prozess wird am 30. Oktober fortgesetzt.

Von Joachim F. Thornau

Quelle: HNA

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