Gericht: Jugendlicher von Sucht und Gewalt geprägt

Treysa. Wegen Sachbeschädigung, Unterschlagung, Bedrohung und einem Verstoß gegen das Waffengesetz musste sich am Donnerstag ein 19-Jähriger aus dem Altkreis vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht Schwalmstadt verantworten.

Dem Angeklagten wurde zur Last gelegt, in Neukirchen eine Zeltplane aufgeschlitzt, die Scheibe einer Scheune sowie eine Autoscheibe eingeschlagen, 40 Euro aus einer gefundenen Handtasche an sich genommen und zwei Personen mit einem Messer bedroht zu haben. In einem Fall soll er dies mit einem „Butterfly“, einer speziellen Art von Klappmesser, getan haben.

Wegen Sachbeschädigung in drei Fällen und einem Fall von Unterschlagung entschied das Gericht, den aus der Untersuchungshaft überstellten 19-Jährigen ein Jahr lang einem Betreuungshelfer zu unterstellen. Berücksichtigt wurde ein Urteil gegen den wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis vorbestraften Angeklagten von 2011. Der 19-Jährige muss an einem Drogenberatungsseminar teilnehmen, sich Drogentests unterziehen, die entwendeten 40 Euro zurückzahlen und 80 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Alkohol und Drogen

Der Angeklagte räumte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe teilweise ein, er habe bei den Taten unter Alkohol- und Drogeneinfluss gestanden. Nicht nachgewiesen werden konnte ihm die Bedrohung eines 15-Jährigen mit einem „Butterfly-Messer“.

Zwei der acht geladenen Zeugen, darunter ein Zeuge aus dem Drogenmilieu, erschienen nicht vor Gericht. Dieser hatte den Angeklagten beschuldigt, ihn an der Schwelle zu seiner Wohnung mit einem Taschenmesser bedroht zu haben. Der 19-Jährige stritt dies ab, gab aber zu, sich mit dem Zeugen um diverse Computerteile gestritten zu haben.

Der geschädigte Autofahrer hatte den Angeklagten nach seiner Tat festgehalten und die Polizei verständigt. Einer der Zeugen, ein Polizeibeamter aus Schwalmstadt, berichtete, der Angeklagte habe nach der Aktion mit den eingeschlagenen Scheiben einen deprimierten Eindruck gemacht und gesagt er schiebe Frust aufgrund seiner Lebenssituation. Ein Alkoholtest beim 19-Jährigen habe 1,61 Promille ergeben.

Laut Bericht der Jugendgerichtshilfe hatte der 19-Jährige durch seinen Vater bereits früh Kontakt zu Suchtmitteln. Aufgrund gewalttätiger Auseinandersetzungen in der Familie sei er auf eine Pflegestelle gekommen. Die Untersuchungshaft habe auf ihn Wirkung gezeigt.

Der Richter bewertete die Taten des Angeklagten als „Gelegenheits- und Frustkriminalität“. Der 19-Jährige erklärte im Hinblick auf seine Vaterschaft – vor wenigen Monaten war er Vater einer Tochter geworden – er wolle sein Leben in die Hand nehmen.

Quelle: HNA

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