Suchtkranken-Hilfe geht auf Betroffene zu

Schwalm-Eder. Sie wollen suchtkranken und -gefährdeten Menschen schneller und besser helfen. Daher gehen der Landkreis Schwalm-Eder und die Drogenhilfe Nordhessen gemeinsam neue Wege.

„Finden die Menschen nicht in das (Hilfe)System, so muss das System die Menschen finden“, lautet das Motto des Projekts, das den Namen „sozialraumorientierte Suchthilfe“ (SoS) trägt.

„In Flächenkreisen haben Suchtkranke häufig kaum Chancen, zu den Beratungsstellen zu kommen“, sagt Ralf Bartholmai, Geschäftsführer der Drogenhilfe Nordhessen. Dabei gebe es viele Betroffene, wie Gespräche zum Beispiel mit Hausärzten belegten. Doch oft fehlten Auto und/oder Geld, um zentrale Hilfsangebote nutzen zu können.

An dieser Stelle setzt das Projekt ein, das vom Land Hessen in Schwalm-Eder und Hersfeld-Rotenburg voll finanziert wird. Die Idee hinter SoS: Wenn zum Beispiel Hausärzte oder Arbeitgeber Suchtprobleme bei einem Patienten oder Mitarbeiter erkennen, können sie sich an die SoS wenden. Die Berater kommen dann zu ihnen, bieten Gespräche und Hilfe an, fahren auf Wunsch auch zu den Suchtkranken und begleiten sie auf ihrem Weg aus der Sucht.

Je eine halbe Stelle pro Landkreis für einen SoS-Sozialarbeiter finanziert das Land für zunächst zwei Jahre. „Das mag nach wenig aussehen, ist aber mehr als vorher“, sagt Bartholmai. Man könne viel bewegen mit dem niedrigschwelligen Angebot. „Wenn wir in zehn von 100 Fällen erfolgreich verhindern können, dass Familien zerbrechen an Suchtkrankheiten, dann hat sich unsere Arbeit gelohnt“, sagt Bartholmai.

Mit dem neuen Hilfeangebot werde ein wichtiger Beitrag zur psychosozialen Versorgung der Menschen im Landkreis geleistet, betont auch Landrat Winfried Becker. Ziel ist es, jetzt Erfahrungen zu sammeln und die SoS über den Projektzeitraum hinaus dauerhaft zu installieren.

Drogenhilfe seit 1990 im Landkreis

Im Schwalm-Eder-Kreis unterhält die Drogenhilfe Nordhessen e.V. seit 1990 ein breites Angebot für Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen. Geschäftsführer Ralf Bartholmai betont, dass der Erfolg der Angebote wesentlich durch die gute Zusammenarbeit mit dem Landkreis, den Menschen und Nachbarn entstanden sei.

Die neue Sozialraumorientierte Suchthilfe (SoS) soll durch frühe Intervention chronische Suchtverläufe und Verelendung vermeiden, die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit erhalten oder wiederherstellen. Sie ist auch ein Angebot für die Kinder- und Jugendhilfe. Infos und Kontakt übers Internet unter www.sos-suchthilfe.de

Quelle: HNA

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