Wassersport ist im Regenrückhaltebecken verboten – Segler 1983 schwer verletzt

Surfen unter dem Strom

Kurzer Spaß: Zwei Surfer holte die zwei Beamten einer Polizeistreife aus dem überfluteten Regenrückhaltebecken bei Treysa. Wassersport jeder Art ist dort untersagt. Foto: Bernd Romeike/nh

Schwalmstadt. Da staunte Bernd Romeike nicht schlecht: Als der Schwalmstädter am Freitagnachmittag am Hochwasser-Rückhaltebecken bei Treysa spazieren ging, gelang dem HNA-Leser mit seiner Digitalkamera ein Schnappschuss. Am Rande des Beckens, direkt hinter dem Hagebaumarkt, hatten zwei Surfer ihre Bretter zu Wasser gelassen, um in Neoprenanzügen über die Wellen zu reiten. Doch das wassersportliche Vergnügen wurde jäh gestoppt. Noch bevor das Duo auf die Bretter steigen konnte, holte eine Streife der Ziegenhainer Polizei die beiden Surfer wieder aus dem Becken. „Vermutlich hätte der Wellengang durch die beiden Surfbretter die Stabilität des Dammes gefährdet“, meint Romeike scherzhaft.

„Wassersport im Regenrückhaltebecken ist schlichtweg untersagt“, erklärt dazu ein Beamter der Polizeistation Ziegenhain. Das sei auf mehreren Hinweisschildern entlang des Beckens auch erklärt. Doch diese Schilder hätten die Surfer – eine Frau aus Schwalmstadt und ein Mann aus Gießen – wohl übersehen. Denn das Surfen sei gefährlich, wegen vieler Untiefen und der Strömungen im Wasser, das an der tiefsten Stelle derzeit drei Meter tief ist.

Den Ursprung des Verbotes für alle wassersportlichen Aktivitäten im eingestauten Regenrückhaltebecken kennt Peter Kugler, Betriebsleiter des Wasserverbandes Schwalm, noch aus Berichten seines Vorgängers. Im Jahr 1983 hatte ein Mann sein Segelboot im Regenrückhaltebecken zu Wasser gelassen. Doch dabei übersah er die tiefhängenden Oberleitungen zwischen den Strommasten, die durch das Becken führen und etwa 100 000 Volt leiten, schätzt Kugler. Als das Segelboot unter einer solchen Oberleitung entlangfuhr, entstand Kontakt und ein Lichtbogen zwischen Segelmast und Leitung. „Der Mast hat geglüht wie der Draht einer Glühbirne“, berichtet Kugler. Durch den Stromschlag wurde der Segler schwerverletzt, überlebte den tragischen Unfall aber. Im Jahr dieses Unglücks war das Becken im Juni voll Wasser. Ein solcher Sommereinstau sei eher unüblich und habe den Segler wohl damals zusätzlich angespornt, sein Boot ins Wasser zu setzen.

Doch große Risiken verbergen sich auch unter der Wasseroberfläche, weiss Kugler, der selbst Segler und Taucher ist. Von diversen Einbauten über unsichtbare Zäune und Gestrüpp bis hin zu gefährliche Strömungen, die einen Schwimmer oder Wassersportler nach unten ziehen können – die derzeitige Seenlandschaft zwischen Treysa und Ziegenhain ist nur aus der Distanz gesehen ein ungefährliches Idyll. Fotos vom Hochwasser und ein Video finden Sie unter www.hna.de

Von jürgen Köcher

Quelle: HNA

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