Historiker trafen sich beim Tag der Hessischen Landesgeschichte in Homberg

Synode war kluger Schachzug

Dr. Jan Martin Lies

Homberg. So einfach war das nicht, als Landgraf Philipp anlässlich der Synode in der Homberger Marienkirche 1526 die Reformation für Hessen ausrief. Politik war in Zeiten des Mittelalters trotz Alleinherrschaft eine Aufgabe, die viel Fingerspitzengefühl erforderte.

Die Reformation war auch Dreh- und Angelpunkt beim Tag der Hessischen Landesgeschichte in Homberg am Wochenende.

„Die Synode war letztlich nur das Ende einer jahrelangen Auseinandersetzung in Hessen über die Einführung der Reformation“, sagte der Geschichtsexperte Dr. Jan Martin Lies, der sich als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Mainz mit dem ehemaligen Landgrafen auseinandersetzt.

Er erläuterte aktuelle Ergebnisse seiner Forschung in einem Festvortrag. Philipps Strategien zur Umsetzung der Reformation seien aus politischer Sicht für die damalige Zeit herausragend gewesen. Denn er bezog in der Synode die Gegner der Protestantisierung teilweise ein. Letztlich entschied er zwar allein, sagte Lies. Aber jeder Anwesende sei doch irgendwie am Prozess beteiligt und dem Ergebnis daher verpflichtet gewesen. So konnte es sich keiner wieder anders überlegen und später dagegen angehen.

Früh in der Verantwortung

Dieses Geschick habe der Landgraf früh lernen müssen. Nach dem Tod seines Vaters hatte er mit 14 Jahren nach einem Vormundschaftsstreit die Regierung ergriffen, was allerdings nicht die erhoffte Wirkung brachte.

Er fand viele Gegner vor, gegen die er sich durchsetzen musste. Dabei habe er gelernt Kompromisse zu machen, sagte Lies.

Es gab viele Demütigungen

Der junge Herrscher habe viele Demütigungen einstecken müssen, was sich letztlich in starkem Misstrauen äußerte, aber sich auch auf seinen Führungsstil auswirkte. Auch wenn er sich immer wieder auf es eine Quelle aus dem Hause des Landgrafen berief, in der es heißt: „In unserem Land hat niemand zu regieren als wir allein,“ kam er oft nur über die Umwege zum Ziel.

Philipp habe sich von Gott berufen gefühlt, die Reformation in Hessen einzuführen, auch weil er damit dem Aufruhr ein Ende machen wollte.

Wesen des Konfliktes sei es gewesen, gegen die vorherrschende Meinung dieser Zeit anzugehen. Sie besagte, dass es nur eine wahre Lehre geben kann. Eine wahre Lehre zu glauben, hieß für das eigene Seelenheil zu sorgen. Dorthinein habe keine andere Auslegung der biblischen Schriften gepasst, zumal es keine wirkliche Trennung zwischen Politik Religion und Recht gegeben habe. Somit sei die Homberger Synode herausragend gewesen. (zty)

Quelle: HNA

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